Vaterland, Mutterland und Heimat.
Die Ausstellung will vor allem bewußt machen, wie sich die Landler in ihrer neuen Heimat eingefügt haben, ohne sich doch völlig zu assimilieren. Es sind, sagt Sedler, die drei Begriffe Vaterland, Mutterland und Heimat, an denen sich das aufschlüsseln läßt: Vaterland war der Staat,in dem man lebte, dem man Loyalität versus Freiheit versprochen hatte. Mutterland war die Beziehung zur Kultur. Die Bewahrung der Mundart. Die Kleidung wurde zur ethnischen Bekenntnistracht-- Trachten wurden noch bis in unsere Zeit getragen. Heimat war der geographische Raum in Siebenbürgen.
Rumänen, Sachsen, Landler, Ungarn, Roma lebten hier; und "jeder wußte, bis wohin er mit dem anderen gehen kann". Sedler ist es gelungen, durch eine geschickte Auswahl und Aufstellung der Exponate, dem Besucher diese Säulen des Landlertums zu vergegenwärtigen. Der Museumsbesuch wird zu einer Entdeckungsreise in einen multikulturellen Raum, in dem die vielen verschiedenen Völker einander gegeben und von einander genommen haben.Nur ein Beispiel: Während bei uns Möbel und Bilder dominierende Elemente der Wohnkultur waren. übernahmen als unmittelbare Folge des Einflusses des Orients diese Rolle in Siebenbürgen die Textilien.
Die Landler waren am Ende ihrer Siedlungsgeschichte in Rumänien gewiß keine Abziehbilder ihrer altösterreichischen Vorfahren mehr, aber sie waren sich stets ihrer Wurzeln bewußt und ihnen verbunden. Ein Besuch des Museums lädt auch ein zum Nachdenken, ob nicht Österreich eine historische Verpflichtung gehabt hätte, sich mehr, als es geschehen ist, um die Altösterreicher in Rumänien zu kümmern.
Wie groß die Zurückhaltung beim offiziellen Österreich ist, zeigt auch die Tatsache, daß das Museumsprojekt bisher weitgehend privat vorfinanziert worden ist.
Maren Köster- Hetzendorf
aus Die Presse /Seite 15 Montag,29.Juni 1992