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Wohnkultur der Landler

Wohnkultur in Siebenbuergen und landlerische Eigenart.
Die "gute Stube". Viele Häuser hatten die sog. gute Stube, ein Zimmer mit den ererbten Bauernmöbel und den dazugehörigen Stickereien. Einige hatten sogar vollständige Landler-Stuben eingerichtet.

Kunstvolle Handstickereien. (Literaturnachweis: Galter, Inge (Hrsg.), Kreuzstichmuster der Landler aus Neppendorf.)

In Rum. waren nach 1945 fast alle Bauerwirtschaften der Sachsen und Landler aufgelöst und deren landwirtschaftliche Boden enteignet worden. So mußten die Landler u.a. in den Betrieben von Hermannstadt Arbeit suchen. Auch die Frauen fanden zunehmend Anstellungen.
All das führte zu tiefgreifenden Änderungen in der Wohnkultur: Die alten Möbel mußten den neuen weichen und die Stickereien der Großmutter gaben ihren Platz an "moderne" Wandbehänge und Bilder ab. Ledichlich in den Küchen konnten handgewebte und bestickte Stücke etwas länger ihren Platz behaupten.

Bett in guter Stube
Bett in guter Stube Hausrat: Betten, Truhen, Schubladkästen, Wandschränke, Tische, Stühle und Kredenzen.

Himmelbett: Ein hölzernes, geschnitztes Bettgestell, mit bunten Blumenmotiven bemalt.

Alle diese Gegenstände sind mir reich bestickten Kastentücher, Wandbehängen, Tischdecken, Leintüchern geschmückt. Sie sind mit breiten Borten, Sprüchen und Blumenkränzen benäht. Oft Bibelsprüche aber meistens Reime, die sich auf den Glauben und die Lebenshaltung beziehen. Auch in der Küche findet man bestickte Löffeltaschen, Handtuchhalter die grüßen mit: Lieber rein - als fein; Wasch dich oft und kalt, bleibst gesund, wirst alt.; Des Wassers Kraft viel gutes schafft.; Wasche dich rein, trockne dich fein.

In einer Landlerwohnung wird der Hausbewohner (auch Gäste) von den vielen Sprüchen durch den ganzen Tagesablauf und eigentlich durch das ganze Leben begleitet. Viele dieser Sinnsprüche enthalten Gebete, oft spricht auch tiefe Lebenserfahrung aus den einfachen Versen.
Etwa das Gebet:
Laß deinen Engel bei mir bleiben
und immer um mein Bette stehn.
Laß ihn das Unglück von mir treiben,
auf mich und alle frommen sten.

Oder die Lebenserfahrung:
Ein fröhliches Herz
ein friedliches Haus,
machen das Glück des Lebens aus.

Tuch/Decke mit Spruch
Tuch/Decke mit Spruch Diese Sprüche verdeutlichen durch Ihre Auswahl die Glaubenshaltung der Familie, sie trösten in einsamen und traurigen Stunden (z.B.: Auch der Schmerz ist Gottes Bote) geben Kraft und Mut in Anfechtungen,
z.B.

Wohl dem, der Jesum bei sich führt,
schließt ihn ins Herz hinein,
so ist sein ganzes Tun geziert
und er kann selig sein.

... oder grüßen den Gast mit Freundlichkeiten: Gott schütze dich!
Die Stickereien begleiten das Leben von Geburt bis zum Grabe. (Taufe, Trauung, Beerdigung)
Für jede Begebenheit gab es die entsprechenden, passenden Tücher, Decken mit passenden Motiven bestickt und immer wieder die zur Begebenheit passenden Sprüche:
(vgl. auch: Galter, Inge (Hrsg.), Kreuzstichmuster der Landler aus Neppendorf.)

Tuch/Decke mit Spruch

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