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Geschichtlicher Überblick

ev. Kirchenfenster in Hermannstadt Literaturnachweis: "Landler, Vergessene altösterreichische Tracht in Siebenbürgen" von Lore-Lotte Hassfurther (Hg.)

Bild: Fenster der ev. Kirche in Hermannstadt. Zur Erinnerung an die Ansiedlung der Landler in Siebenbürgen.

Reformation und Gegenreformation - sie waren Kräfte, die im16., 17. und 18. Jh. eine gewaltige Wirkung ausübten, und dies nicht allein auf relig., auf kirchlichem Gebiet. So sehr war in jenen Zeiten Macht und religion verbunden, ja durch sie abgesichert, daß die Erneuerung oder die Regenerierung des Christenglaubens die Wichtigsten Lebensgebiete beeinflusst und verändert hat. spätestens seit dem Augsburger Religionsfrieden 1555 wird die Konfession zu einem Instrument des sich ausbildenden regionalen Absolutismus.
Erstmals im reichsunmittelbaren Fürsterbistum Salzburg führte die Anwendung des Prinzips von Augsburg und von Osnabrück (Westfälischer Frieden 1648) "cuius regio, eius religio" zur Austreibung oder Auswanderung derjenigen Menschen, die sich zu dem Glauben des Landesherren nicht bekehren ließen, also der Protestanten. 1684/85 verbannte Fürstbischof Max Gandolph Einwohner seines Fürstentums wegen ihrem Glauben, 1731/32 vertieb Leopold von Firmian durch sein Emigrationspatent Anhänger der Augsburgerischen Konfession aus seinem Hoheitsgebiet unter dem Vorwand, sie seien Rebellen. Dazu erbat und erhielt er militärische Unterstützung von Karl VI. Diesem wurde dabei klar, daß seine Herrschaftsbereiche durch solche Massenverteibungen eine sehr große Zahl tüchtiger Untertanen, "Kontibuenten", also Steuerzahler, an seinen bedeutensten Rivalen, Friedrich Wilhelm I von Preußen, verloren.
Damit kommen wir nun zur Deportierung von Protestanten unter Karl VI aus den habsburgischen Ländern unter der beschönigenden Bezeichnung "Transmigration".

Landler Forschung und Dokumentation In den Jahren 1734-1737 unter Karl VI, wurden über 800 Menschen nach Siebenbürgen deportiert, davon knappe 200 aus Kärnten (E. Buchinger). Die aus dem Salzkammergut stammenden "Transmigranten" wurden in Neppendorf und Großau angesiedelt. Diese beiden Gemeinden hatten durch Türkeneinfälle und Kuruzzenkriege und durch Pestepidemien sehr viele Einwohner verloren, sodaß in Groß:au z.B. im Jahre 1721 nur 63 "Wirte" (Hofbesitzer) vorhanden waren. (E.M. Weingärtner)
Die Kuruzzen hatten das Land "der Fuelle und der Kraft" wirtschaftlich schwer geschaedigt. Weite Landstriche waren verwuestet, ganze Doerfer entvölkert. Die geplante Ansiedlung in eines dieser entvölkerten Doerfer der siebenbuerger Sachsen war im Interesse aller Beteiligten.
Karl VI erreichte die Anerkennung der "Pragmatischen Sanktion", durch die seine Tochter Maria Theresia die Herrschaft in den habsburgischen Ländern übernehmen konnte. Erst geraume Zeit nach ihrem Regierungsantritt 1740 richtete sie ihren Augenmerk auf die Frage der Glaubenseinheit ihrer Untertanen, also die Bekämpfung des Protestanismus. 1752 bis 1756 erfolgten zahlreiche Transmigrationen, in deren Verlauf über 2000 Menschen aus dem "Landl", etwa dem Gebiet zwischen Wels, Gmunden und Vöcklabruck, und mehr als 1100 aus Innerösterreich, d.h. aus Kärnten und der Steiermark, nach Siebenbürgen deportiert wurden. Dort war die Bevölkerungszahl stark angestiegen, unter anderem durch die Seßhaftwerdung der Rumänen, es gab kaum herrenlose Höfe, sodaß nur jene Deportierten sich in etwa 25 sächsischen Dörfern ansiedeln konnten, die genügend Eigenmittel besaßen; die übrigen ließen sich in Städten nieder, soweit sie die ersten Notjahre überlebten.
Zur Abwicklung der Transmigrationen wurde 1754 in der Vorstadt von Hermannstadt ein großes Gebäude errichtet, das Theresianum. Vor diesem Bauwerk erinnert ein Denkmal an seine Gründerin Maria Theresia.
Nur eine einzige Landlergemeinde, Großpold, wurde in der Zeit der theresianischen Transmigration geschaffen.

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