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Protestanten

Transmigranten LANDLER PAAR 1820

Deutsche Zuwanderer nach Siebenbürgen

Michael Kroner

Herrausgegeben vom Bundesreferat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und von der Kreisgruppe Nürnberg- Fürth- Erlangen der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen in Deutschland

Den größten Zuzug von deutschen Einwanderern erhielten die Sachsen im 18. Jahrhundert durch die Ansiedlung von Durlachern, Hanauern und Landlern und Mitte des 19.Jahrhunderts durch die Kolonisation von württembergischen Schwaben. Bezüglich dieser Ansiedlungsvorgänge müssen wir nicht, wie im Falle mittelalterlichen Kolonisation im Dunkeln tappen, wir kennen nicht nur deren genauen Zeitpunkt, sondern auch die Namen der Herkunftsorte und zum guten Teil sogar die Namen der Immigranten sowie die Ortschaften ihrer Ansiedlung. Wir kennen auch den Weg, dem sie gefolgt sind. Sie kamen per "Schiff", jene aus Baden und Württemberg mit den sogenannten "Ulmer Schachteln", auf der Donau bis Pest und von dort bis nach Siebenbürgen mit Fuhrwerken. Einige dieser Einwanderer haben ihre Reise und Aufnahme in Siebenbürgen beschrieben.

Landler

Den größten Zuzug von deutschen Einwanderer erhielten die Sachsen im 18 Jh. durch die Ansiedlung von Landler.

Nicht freiwillig verließen die Landler ihre Heimstätten in Österreich. Sie wurden Vertreibungsopfer gegenreformatischer Maßnahmen der Habsburger gegen die Reste evangelischen Gläubigen in ihren Erbländern. Hatte man im 17.Jahrhundert die Lutheraner in die protestantische Länder des deutschen Kaiserreiches vertrieben, so wollte man im 18. Jahrhundert im Zeitalter Merkantilismus die Menschen als steuerzahlende Untertanen nicht aus dem Staatsverband verlieren und entschloß sich,jene Evangelischen, die sich nicht zum Katholizismus konvertieren ließen,nach Siebenbürgen zu "transmigrieren", das als Grenzland abschreckend genug wirkte und wo man die evangelischen Konfessionen sowieso anerkannt hatte.

Bei der "Transmigration", wie das Unternehmen in der Beamtensprache hieß, handelte es sich um eine brutale Vertreibung und Zwangsumsiedlung. Es wurden öfters Familien zerrissen, indem Kinder oder Ehefrauen zurückbehalten wurden. Viele konnten ihre Habe nicht zum eigentlichen Wert veräußern, und bei der Überweisung des Geldes nach Siebenbürgen ergaben sich mancherlei Schwierigkeiten und Verspätungen. So kam es, daß nicht wenige Transmigranten mittellos in Siebenbürgen ankamen und dort als Pächter, Tagelöhner oder Knechte ihr Dasein fristen mußten.

Die ersten 800 Umsiedler wurden in den Jahren 1734-1737 unter Kaiser Karl 6. aus dem Salzkammergut und etwa 200 Personen aus Kärnten ausgewiesen. Maria Theresia nahm die Zwangsumsiedlung 1752 wieder auf und ließ sie systematisch und in größerem Umfang durchführen. Die Deportation erfaßte in dem Zeitraum von 1752 bis1756 über 2000 Evangelische aus dem sogenannten "Landl", einem Gebiet zwischen Wels, Gmunden und Vöcklabruck, und mehr als 1100 Personen aus Kärnten und der Steiermark. In Siebenbürgen erhielten die österreichischen Einwanderer nach dem Lande ob der Enns, aus dem der größte Teil der theresianischen Umsiedler stammte, die Bezeichnung "Landler".

Nach Alfred Obernberger sind abweichend von obigen Daten 6275 Personen nach Siebenbürgen vertrieben worden, namentlich hat er etwa 3400 erfaßt.

Die Landler wurden auf 30 sächsische Ortschaften verteilt. Den größten Zuzug erhielten die Gemeinden Großau und Neppendorf, die nach dem Kuruzzenkrieg stark entvölkert waren. In den beiden Gemeinden ließen sich die Transmigranten aus dem Salzkammergut nieder. Hier sowie in Großpold konnten die Landler ihre Mundart, Tracht und Brauchtum bis in unsere Zeit, bei nicht übersehenden Konflikten mit den Sachsen, bewahren. Sie haben in den drei Ortschaften durch Fleiß und Tüchtigkeit wesentlich zu deren Aufblühen beigetragen.

Obwohl auch Broos, Rumes, Petersdorf und Heltau einen Zuwachs von jeweils mehr als 100 Landlern erhalten haben sollen, konnten sie in diesen Ortschaften ihre Eigenart nicht bewahren.

Die österreichische Regierung hat sich nach der Wende von 1989 in Rumänien, als die große Aussiedlerwelle der Deutschen einsetzte, leider nicht bereit gefunden, als Geste der Wiedergutmachung gegenüber den Nachkommen der einstmals vertriebenen Österreichern diese unter denselben Bedingungen wie in Deutschland als Aussiedler in der Alpenrepublik aufzunehmen, obwohl Bemühungen in dieser Richtung angebahnt wurden. Es konnte bloß ein Landlermuseum in Goisern eingerichtet werden.

von Michael Kroner aus Nürnberg 1997

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