Landler im Internet
Die Nachkommen der vor 250 Jahren aus Österreich deportierten Protestanten sind neuerdings im weltweiten Datennetz vertreten
Herausgefordert hat ihn die Tatsache, daß es über die Siebenbürger Sachsen und Banater Schwaben im Internet schon viel zu finden gibt, aber die Landler dabei nie erwähnt werden. Der 28jährige Datentechniker Robert Sonnleitner hat kürzlich die Initiative ergriffen, das zu ändern. Für sein L@ndler-Webangebot hat er bereits, freilich ehrenamtlich, Material bei Freunden und Bekannten beschafft und es seit dem 1. Juni unter der URL-Adresse http://landler.home.pages.de weltweit verfügbar gemacht. Am Angebot wird ständig gearbeitet, mit einem Sponsor muß noch verhandelt werden.
Am Beispiel der Landler, jener unter Karl VI. und Maria Theresia aus Kärnten, der Steiermark und dem Salzkammergut an den Rand der Monarchie nach Siebenbürgen verbannten Protestanten, will Sonnleitner auf eine Problematik hinweisen, die heute genauso aktuell ist wie vor über 250 Jahren: Menschen auf der Flucht, Deportation und Aussiedlung, Fremd- und Anderssein, Integration, Identität zwischen Bewahrung und Neubeginn. Gleichzeitig solle das neue Internet-Angebot einen Beitrag zur Erhaltung des Kulturerbes der deutschen Volksgruppen aus Siebenbürgen leisten, deren Existenz durch den Massenexodus der letzten Jahre bedroht sei. Noch finden wir Nachkommen der aus Österreich Deportierten in Neppendorf, heute von Hermannstadt eingemeindet, Großau, zehn Kilometer westlich davon, und Großpold, 20 Kilometer weiter westlich.
Das Medium Internet biete den Siebenbürger Sachsen und Landlern gleichermaßen "einen virtuellen gemeinsamen Lebensraum, den sie zur Erhaltung ihrer Eigenart nutzen könnten", meinte Sonnleitner gegenüber der Siebenbürgischen Zeitung. Über die Landler in Siebenbürgen sei zwar schon vieles veröffentlicht worden, doch in digitalisierter Form stehe kaum etwas zur Verfügung. Das neue L@ndler-Webangebot sammele nun Informationen über Landler und mache sie in digitalisierter Form über das Internet öffentlich verfügbar, ebenso solle damit die weltweite Kommunikation zwischen Landlern gefördert werden. Ein L@ndler sei ein Landler, jemand, der sich als Landler fühle oder sich für die Landler interessiere oder einen kenne, so die Definition von Sonnleitner, der in Neppendorf bei Hermannstadt gewohnt hat, dessen Eltern aus Großpold stammen und der als Ex-Brukenthaler (Abitur 1988) natürlich auch einen guten Draht zu den Großauern hat. Wer ihm beim Aufbau des Landler-Angebotes helfen will, kann ihn über die E-Mail-Adresse landler@freepage.de oder, auf herkömmlichem Weg, über die Rufnummer (08 21) 45 25 38, erreichen. Das Material kann entweder per elektronischer Post oder - nach telefonischer Rücksprache - per Diskette zugesandt werden.
S. B.
Übersicht
Das Müllionen-Ding
Zusammengestellt von Jochen Vorfelder von Greenpeace (Original Dokument)
Deutsche Giftschieber verseuchen das rumänische Siebenbürgen
Kriminelle Schieber haben Siebenbürgen zu einem Endlager für deutsche
Abfällegemacht. Jetzt stiehlt sich Bonn nach leeren Versprechen aus seiner
Verantwortung, 2000 Tonnen Müll aus Rumänien zurückzuholen.
Wenn in dem kleinen rumänischen Flecken Apoldu de Sus die Kirchturmglocke
auf den Friedhof ruft, wird jedesmal ein Stück Geschichte der Siebenbürger
Gemeinde Großpold zu Grabe getragen. "Es sind ja nur noch wir Alten,
die übrig geblieben sind. Alle Jungen sind nach Deutschland in die Heimat",
berichtet Magdalena Rossbach. Ihre Tochter ist vor drei Jahren fortgezogen
aus dem Örtchen, das rund 30 Kilometer vor Sibiu an der Europastraße Fünf
liegt, ihr Sohn im letzten Dezember. Die Tochter hat in Bayern geheiratet.
Magdalena Rossbach, obwohl schon über siebzig, steht jeden Morgen
mit streng geflochtenem Haar und blitzsauberer Schürze im Cafe Klagenfurt,
das wie eine gemütliche Katakombe unter dem Pfarrhaus liegt. Sie verkauft
Kaffee und frische Krapfen. "Solange unsere Felder noch Früchte tragen",
sagt sie und rollt dabei das R in ihrem antiquierten Deutsch, "und
unser Herr Dechant am Sonntag die Messe liest, werden wir bleiben."
Viele sind nicht geblieben. Pfarrer Fritz Feder - unser Herr Dechant
- notiert im Pfarrhaus das Sterben seiner Gemeinde Großpold im Kreis Hermannstadt
(Sibiu) in einem dicken Buch. "In den letzten vier Jahren sind hier
über tausend Deutschstämmige verschieden oder in die Bundesrepublik verzogen",
rechnet er vor. An der Kirche blättert der gelbe Putz ab; in den staubigen
Seitenstraßen stehen die Gehöfte reihenweise leer. Alte handgeschnitzte
Torflügel, die den Blick in weite Innenhöfe versperren sollen, hängen schief
in rostigen Angeln.
Auch das Anwesen mit der Hausnummer 451 an der Hauptstraße, über
die sich der Transitverkehr aus Ungarn nach Bukarest und weiter nach Bulgarien
oder die Türkei quält, liegt verlassen. Früher hat dort die Familie Brantsch
gewohnt, die Blumenbeete gepflegt und den Hausbrunnen sauber gehalten.
Was in Deutschland aus ihnen geworden ist, weia keiner. Jetzt sind die
letzten Scheiben blind, der Hof ist zugewuchert; Haus, Scheune und Ställe
verfallen zu Ruinen.
Doch leer steht das trostlose Sachsenanwesen Nr.451 deshalb nicht.
Samuel Rieger, der einundsiebzigjährige Nachbar, erinnert sich: "Es
war schon ein später Abend, ich war gerade vom Feld nach Hause. Da war
ein Lastwagen gekommen und hat angefangen, Fässer abzuladen. Ach, was sage
ich, einfach vom Wagen hat er die Fässer geschmissen, der Fahrer. Ich weiß
es noch ganz genau, denn der war ein Neger aus Dresden."
Die Fässer, die das deutsch-amerikanische Besatzungskind Ende letzten
Jahres unter kuriosen Umständen in Apoldu de Sus anlieferte, wurden in
den Hof gerollt und lagerten monatelang unter freiem Himmel. Der Winterfrost
liea die Tonnen rosten; in der Hitze des Sommers blähten sie sich auf,
bis sie fast platzten. Im Hof der Familie Brantsch, nur 200 Meter von Kirche
und Dorfschule entfernt, tickt eine Zeitbombe: Die rund 150 Fässer enthalten
insgesamt 28 Tonnen altes Melipax, ein Insektizid der Giftklasse A1 aus
der alten DDR, und überlagertes Trizilin 25, ein Pflanzengift aus Bitterfelder
Produktion.
Das Lager, groß genug, um im gesamten Kreis das Grundwasser zu vergiften,
ist nur eine illegale Deponie von vielen. Seit September 1991 wurden rund
2000 Tonnen Insektizide, Pestizide, Lackabfälle, verunreinigte Lösemittel,
Rattengift und andere toxische Industrieabfälle von Deutschland in den
Kreis Hermannstadt geschafft - Müllschieber aus der Bundesrepublik und
ihre rumänischen Geschäftspartner haben Siebenbürgens Keller, Hinterhöfe
und Apfelplantagen zu einem riesigen Endlager für deutschen Giftmüll gemacht.
Am Morgen des 9. Septembers dieses Jahres hat Samuel Rieger zunächst
gedacht, alles ginge wieder von vorn los. Das Gebrumm des LKW-Motors, das
Rumoren der rollenden Tonnen... Doch diesmal ist alles umgekehrt, diesmal
werden Fässer abgeholt: Vier Greenpeace-Leute schuften in der prallen Sonne.
Verborgen unter Schutzanzügen und Gasmasken wuchten sie ein verbeultes
200 Liter-Faa Melipax auf eine Spezialkarre und rollen es vorsichtig zu
ihrem LKW. Ein paar Knopfdrücke - und schon hebt der Ladekran am Truck
den verrosteten Giftbehälter in ein gelbes Überfaa und verstaut ihn auf
dem Tieflader in einer Auffangwanne aus Edelstahl.
Das riesige Gefährt erregt neben den Pferdekarren der Großpolder
Bauern heftige Aufmerksamkeit. Die Kameras der von Greenpeace benachrichtigten
Presse surren, Journalisten kritzeln in ihren Notizbüchern. Vor dem Cafe
Klagenfurt tuschelt Dechant Feder mit Magdalena Rossbach. Samuel Rieger
hofft, daa noch heute alles Gift aus seiner Nachbarschaft verschwindet.
Doch er wird enttäuscht. Die Greenpeace-Truppe mua sich in Apoldu de Sus
mit einem einzigen Faa begnügen: Ihre Recherchen in Sibiu und Umgebung
haben in den letzten Monaten zur Entdeckung von acht illegalen Deponien
geführt, und aus all diesen sollen symbolisch nur jeweils ein, maximal
zwei Fässer zum Abtransport auf den Wagen geladen werden. Bestimmungsort
der brisanten Fracht: Bonn, Umweltministerium.
(...)
Grenzort Varsant, kurz nach Mitternacht: Ein VW Passat mit rumänischer
Nummer, schon arg in die Jahre gekommen, zieht vor an die Schranke. Er
schleppt einen Anhänger, auf dem sich neben zwei Kühltruhen gleich ein
ganzer Berg von alten Autoreifen türmt. Sie werden auf dem Schwarzmarkt
in Bukarest reißenden Absatz finden. Eine Hand schiebt Marlboros durch
den Fensterschlitz, im Paa stecken einige Banknoten. Doch der Grenzer ist
nicht zufrieden. Eine schnelle Handbewegung im fahlen Licht der Neonröhren
signalisiert unmißverständlich: Da müssen noch ein paar Scheine rüberwachsen,
bevor der Schlagbaum hochgeht. Man lacht, man scherzt, Zigaretten werden
ausgetauscht, dann ist der Handel perfekt.
Wo Korruption das Alltagsgeschäft diktiert, ist es fast egal, welche
heiße Fracht sich auf der Ladefläche befindet, zumal die Zöllner in den
Baracken neben den rostenden Schranken schlicht überfordert sind. Seit
der Bürgerkrieg im ehemaligen Jugoslawien tobt und der gesamte Ostverkehr
über die rumänischen Landstraßen gelotst wird, sind bei der Abfertigung
Wartezeiten von zehn oder zwanzig Stunden die Regel. Die kilometerlange
Schlange der LKW quält sich über Stunden - Stop and Go - in den Grenzstreifen,
wo die Gescheiterten und Gestrandeten ihre provisorischen Lager aufgeschlagen
haben: Sinti und Roma, Rumänen und Nomaden, die illegalen Grenzgänger,
die bei der Passage erwischt wurden und nun weder vor noch zurück können.
Nachts kokeln kleine Feuer, Kinder plärren; dazwischen huschen die Schatten
der Schieber und Schmuggler mit ihren Plastiktüten voller Marlboros oder
Schnaps. Sie dürfen ihren Geschäften nachgehen, solange sie den üblichen
Obolus an die Zöllner und die abgerissenen Grenzer mit ihren Kalaschnikows
abführen.
(...) (hier zum Original Dokument)
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