Zweites Heimattreffen der Neppendorfer
Rund 400 Teilnehmer am zweiten Heimattreffen der Neppendorfer daheim
Zwei Tage würde am letzten Wochenende in Neppendorf gefeiert
denn so lange hat das zweite Heimattreffen der sächsischen und
landlerischen Bevölkerung dieses einstigen Dorfes heute
ein Stadtteil von Hermannstadt gedauert. Erwartungsgemäß
hatten sie sich viel zu erzählen, die Neppendorfer von nah und
fern. Ihr Treffen stand unter dem Motto "Glaube und
Heimat", weil der evangelische Glaube und das Bekenntnis zur
siebenbürgischen Heimat das Leben der Deutschen in diesem Raum
seit jeher bestimmt haben. Im Festgottesdienst am Samstag spann
Pfarrer Dietrich Galter den Gedanken weiter. Er predigte zu
Epheser 2, 19-22, wo es heißt, die Christen seien Bausteine im
Hause Gottes. Es komme, so der Pfarrer, nicht darauf an, in
welche Kirche man gehe, so lange man an der Kirche Jesu Christi
mitbaue, die allein Zukunft hat. Unsere Kirche, die Evangelische
Kirche A. B. in Rumänien, habe keine Zukunft, höre man immer
öfter, fuhr Pfarrer Galter fort, und fügte hinzu, er müsse
dieser Aussage recht geben. So sehr man sich auch darum bemühe,
angesichts der drastisch geschrumpften Seelenzahlen neue Formen
zu finden, die Kirche könne nicht mehr so sein, wie man es von
altersher gewohnt ist. Umso sinnvoller sei darum die
Rückbesinnung auf die wahre Bedeutung von Kirche als
"Wohnung Gottes im Geist".
Warum sind die Neppendorfer an diesen zwei Tagen in Scharen in
ihre Kirche geströmt? Am Samstag ebenso wie am Sonntag, als ihr
früherer Pfarrer, der Pensionist Heinz Galter (und Vater des
heutigen Pfarrers) predigte und davon sprach, wie schwer es dem
Einzelnen falle, die Wahrheit über sich zu akzeptieren.
Offensichtlich sind die Neppendorfer darum so zahlreich in die
Kirche gegangen, weil sie sich darin heimisch fühlen und
Sehnsucht nach dem vertrauten Haus hatten, aber auch um nach dem
Gottesdienst im Kirchhof alte Bekannte zu begrüßen, die von
weither angereist gekommen waren.
Am Samstag wurde auch der insgesamt 296 evangelischen
Neppendorfer gedacht die Opfer der beiden Weltkriege und der
Rußlanddeportation sind. Nach der Totenfeier eröffnete Pfarrer
Dietrich Galter im Kirchenchor die Ausstellung "Neppendorf
Heimat und Kirche" des Hermannstädter Künstlers
Eugen Dornescu. Sie enthielt Aquarelle und Ölgemälde, die
Wahrzeichen Neppendorfs darstellten: die Kirche, die Schule, das
Pfarrhaus. Ein Stück Heimat zum Mitnehmen. Das gab es auch auf
dem Basar des Handarbeitskreises; wo die Frauen nicht nur
Selbstgestricktes und -genähtes anboten, sondern auch
Broschüren, Postkarten und Farbfotos.
Eigens aus dem Töpferdorf Korund zum Treffen angereist war
der Töpfer Molnos József mit seinen beliebten Krügen und
Tellern, die guten Absatz fanden.
Was die Reihe der Ehrengäste betrifft, so kann man sagen,
daß der Samstag den Deutschen und der Sonntag den Österreichern
gehörte. Samstag beehrten der deutsche Konsul Arnulf Braun und
der interimistische Minderheitenreferent der Deutschen Botschaft
in Bukarest, Heinrich Haupt, die Veranstaltung, und Sonntag war
der österreichische Botschafter Paul Ullmann mit Gattin
präsent. Auch der DFDR-Landesvorsitzende Dr. Paul Philippi und
der Hermannstädter Vizebürgermeister Ioan Sturz hatten es sich
nicht nehmen lassen, den Neppendorfern die Ehre zu geben.
Die Last der Verantwortung für das leibliche Wohl der
Teilnehmer hatte der deutsche Unternehmer und Wahlneppendorfer
Michael Kothen in Zusammenarbeit mit der Küche des "Dr.
Carl Wolff"-Altenheims übernommen. Die Beköstigung lief
wie am Schnürchen, nicht zuletzt dank der 25 deutschen und
rumänischen Jugendlichen, die freiwillig den Kellner spielten,
was richtige Knochenarbeit gewesen ist, denn ihr Einsatz dauerte
drei Tage, Aufräumen und Abwasch inbegriffen. Aber sie haben die
Gemeindeglieder erheblich entlastet. So konnten sowohl die
Gemeindeschwester Elisabeth Liebhart und die Pfarramtssekretärin
Renate Köber die beiden wichtigsten Frauen im Ort, so
Pfarrer Galter senior , als auch Kurator Samuel Gromer und
Kirchenvater Matthias Beer und natürlich die Pfarrersleute, die
im Vorfeld des Festes eine Menge zu tun gehabt hatten,
unbeschwert mitfeiern.
Nicht zuletzt seien die unermüdlichen
"H-Musikanten" und ihr Dirigent Nicu Plesa genannt
alles Militärmusiker, die repertoiremäßig in der
Tradition der (nicht mehr existierenden) Neppendorfer Blaskapelle
stehen. Sie haben an beiden Tagen von Mittag bis Mitternacht für
gute Tanzmusik gesorgt. Und es wurde gehörig getanzt. Alle haben
das Tanzbein geschwungen, die Alten ebenso wie die Jungen.
Und die gute Stimmung hat auch den Unmut über das eher
unfreundliche Wetter weggewischt.
Beatrice UNGAR