Allgemeines
Im 18. Jh. kamen zu den sächs. Bewohnern die Neusiedler "Landler" aus dem Salzkammergut (Österr.) dazu.
Sehenswert: Kirchenburg und ev. Kirche. Ehem. rom. Basilika, davon erhalten W- und N-Seite und Untergeschoß des Turms. Umbau unter Baumeister Andreas Lapicida in der zweiten Hälfte des 15. Jh. zur dreischiffigen spätgot. Hallenkirche.
Altar (1719) Renaissance und Rokoko, im Hauptbild die Kreuzigung mit Johannes und Maria, im Sockel die Grablegung, während in der Bekrönung die Statuen der Hl. Dreifaltigkeit mit den Statuen der Apostel Petrus und Paulus stehen.
1794/95 wurden die barocken Emporen eingebaut. Orgel von Johannes Hahn (1775). Mächtiger Glockenturm mit oktogonalem Dach. Die vier Ecktürmchen weisen Großau die Blutgerichtsbarkeit zu. Die Ringmauer ist mit fünf dreigeschossigen, im Grundriß vier-und achteckigen Türmen und zwei Zwingerhöfen verstärkt. Der Speckturm ist im SO, entlang der inneren Ringmauer Vorratskammern.
- Im Dorfmuseum (1969) sind eine sb.-sächs. Bauernstube, Volkskunst und Bücher ausgestellt.
-
Die orthod. Kirche mit polygonalem Altar (1780) und Freskomalerei von lon Zugravu (1805).
Von Großau geht eine AS nach S, 5 km nach Orlat.
4 km ö. folgt s. der E 15 der Flugplatz Hermannstadt (Sibiu) und nach N die Abzweigung nach Kleinscheuern (Sura Mica).
Durch das Industrieviertel "West" und durch ausgedehnte Wohnviertel führt die Straße in den Vorort, die Großgemeinde Neppendorf, Turnisor, Kistorony
1223 Erste Erwähnung von Großau unter dem Namen "Insula Christiana" Großau ist im Zusammenhang mit der Festlegung der Grenzen von Michelsberg genannt. Es wird ein Weg erwähnt der nach Großau führt. (et per quandam semi tam quae ducit ad Insulam Christianam"). (Ub. I-38-27).
1323 4 Grefen von Großau sind erwähnt: Nikolaus, Hezo, Salomon und Herbord "de insula Christiani". Nikolaus ist der Schwiegesohn des mächtigen Grefen Nikolaus von Talmesch. Er erhält von seinem Weingarten "in valle Winrici" als Geschenk. In der Schenkungsurkunde ist außer den genannten Grefen auch der Ortsrichter Henning von Großau als Zeuge genannt. (Ub.I-404-474).
1337 Ein Henricus "de Maiori insula et de minori" wird als Großauer Pfarrer genannt. Es muß also auch ein "Kleinen"(oder "Kleinau"?) gegeben haben in dem der damalige katholische Pfarrer auch Gläubige zu betreuen hatte. (Monumenta Vaticana I,S. I44)
1349 Pleban Helwicus von Großau wird als Mitglied des Hermannstädter Kapitels genannt. Somit ist für dieses Jahr die Zugehörigkeit dieses Ortes zum Hermannstädter Kapitel nachgewiesen. "Dominus Helwicus plebanus de insula Christiana". (Ub.II-638-58)
1359 Der Ortsrichter von Großau ("Magna insula") ist Mitglied der 7 Stühle, daß heißt der Hermannstädter Provinz. Sein Name ist nicht genannt, aber seine Teilnahme als Richter bei einer Urteilsfällung der Hermannstädter Provinz der Sieben Stühle beweist, daß Großau eine freie Königsbodengemeinde gewesen ist. (Ub II-760-174)
1377 Mathias Pezel von Großau ist Mitglied einer Gesandschaft der 7 Stühle an den königlichen Hof (Mathyas dictus Pezel de insula Christiana")-(Ub-II-I061-454).
1380 Großau ist Mitglied der Hermannstädter Stuhlversammlung. Somit ist der Ort als zum Hermannstädter Stuhl gehörig, nachgewiesen. Die Vertreter des Ortes sind: "Nicolaus carnifex et Cristil filius Eufemiae de Magna insula villicus". (Ub II.II31-529)
1382 Als Bischof Goblinus der frühere Pfarrer von Großau in den Besitz von Konradsdorf eingeführt wird, da wirkt mit andern als Vertreter der Hermannstädter Provinz der 7 Stühle mit "Henez Tusentschen villicus de insula Christiana". (Ub II-II56-553).
1383 In Großau wird ein Friedensvertrag geschloßen zwischen den Sachsen des Hermannstädter Stuhles einerseits und den umwohnenden Rumänen andererseits. Vorher hatten die Rumänen ihre Herden in die Felder der Sachsen getrieben. Im Streit war es zu Mord, Raub und Brandstiftung gekommen. Bei den Friedensverhandlungen ist "Heyczmannus Tawsitschon" Vertreter von Großau "insula Christiana". (Ub. II-II70-565)
Der Pfarrer Thomas von Großau, gleichzeitig Dechant des Hermannstädter Kapitels, ("decanus Cibiniensis et plebanus insulae Maionis") ist Mitglied der Gesandschaft, die von der ungarischen Königin Maria die Bestättigung des Goldenen Freibriefes erbitten. (Ub II-II72-569)
1395 König Sigismund teilt in einem Schreiben der Gesammtheit der Bewohner von Großau ("universis populis et in colis de Keretenyzygeth") mit, daß ihm der gewesene Richter Johann von Hermannstadt geklagt habe, daß die Großauer vier von seinen unbewaffneten unschuldigen Dienern getötet hätten. Ihm selbst aber hätten sie mit dem Tode bedroht. Der König gebietet den Großauern auf diese Klage hin, von nun an dem Johann zu gehorchen und ihn nicht mehr zu bedrohen. Sodann werde er auch keine Genugtuung für die getöteten Diener verlangen. (Ub.III-I364-I53).
1429 Als Mitglied einer Gesandschaft der 7 Stühle an den König wird genannt: "Michael, dictus Wezzed de Insula Keresthyen". derselbe auch "Michael Neßhoder" genannt, ist öfter als Vertreter der 7 Stühle- Hermannstädter Provins, erwähnt. (Ub.IV Nr 2080, 2102, 2137 u.2165 S...................)
1444 Das Weißenb. Kapitel urkundt. in einem Rechtsstreit zwischen seinen Verwandten einerseits, den adligen Grundbesitzern von Orlat und "Nicolaus filius, quandam Nichaelis Wezew viliouks ae Blasius Gereb et Caspar Lavdorff iurati seniores villae regalis Kerestyenzyageth" andererseits um Ackergrund und Wald, der lange Zeit geführt wurde. Nun sei aber Frieden gemacht worden und ein Abkommen getroffen worden. Eine Kommision findet sich ein "in facie possessionis eorundem Waralya"(Orlat). Dort erscheinen auch die Vertreter von Großau " vir Michael, plebanus de Kerestyenzyagethe decanus sedis Cibiniensis, ac dictus Nicolaus villicus, Johann Hengst, Servacius Konrath, Andreas Weden, Johann Twern, Mich, Meeth, Joh. Roth, Nick, Bogner, Nic. Roth iurati et ceteri seniorees". Auch Vertreter der 7 Stühle erscheinen dort. Es wird das strittige Gebiet geteilt und Grenzzeichen aufgerichtet. Dabei sind erwähnt die Hattertnamen "mons Kakasfkeys alias Hanenkap" "foucius Zybyn" "nemora Egres" "arbor Egerfa", "vadum Iwanrywe", "fossatum Pekalarok alias Busgraben", mens Uynagye alias Newberg" und "rivulum Forombach". Auf Grund seiner schiedsrichterlichen Entscheidung werden beide Teile in die ihnen zugesprochenen Hattertteile eingeführt,was das Weißenburger Kapitel bescheinigte (Ub.V-2688-282)
3 Wochen später wird diese Grenzregelung von den sieben Stühlen bestätigt. (Ub.V-2689-285)
1468 Aus dem Steuerregister des Hermannstädter Stuhles ist ersichtlich, daß Großau hinter Heltau die zweitgrößte Gemeinde des Stuhles ist. (Quellen siebenb. Geschichte-1880 S. 26).
1493 VI 22 Zusammen mit andern Orten wird der Ort von den Türken verbrannt. In einem Exemplar der Predigten des Heiligen Bernhard schreibt Dr. Blasius, "Insula christiani plebani": Die Türken unter der Führung von Ali Bey sind in den Hermannstädter Stuhl eingebrochen und haben mehrere Orte niedergebrannt, Salzburg, Großau ("Insulam christianam"), Heltau, Kleinscheuern, Reußdörfchen, Neppendorf und mehrere rumänische Besitzungen, aus denen sie viele verschleppt haben; es ist ihnen sodann aber nicht gut bekommen (Arch.Bd.10S.219)
1506 In der Stadt und 7 Stuhlsrechnung ist vermerkt: "Insula Christiana habet numeralem I praesentavit per Seruncium Goczemester vilicum, Anthonium Goczemester, Jacobum Theyncz, Johanem Bosszmann et Michael Raab f.134". (Quellen...421).
1507 "Insula christiana habet demum numeralem 1, praesentavat per Petrum Hawerkorn villicum, Martinum Buch et, Joh. Theil fl.75". (Quellen...452)
1508 Stuhlesteuer zahlt Großau durch "Georgium Blesz villicum, Johann Theyz, Joh. Mechs et Thomem Reuer". (Quellen...4980).
1529 X 15 Der Ort wird durch muntenische Heerhaufen unter dem Bojar Dragan verbrannt. (Arch. Bd. 15 S. 59)
1530 Herbst. Als Türken, Tataren und Muntenier die Stadt Hermannstadt belagerten, lagern sie bei Großau. Sie waren zur Unterstützung des Königs Johann Zapolya ins Land eingefallen. (Schuller F, Urkunden Nr.115)
1531 Großau geht zu den Anhängern Zapolyas über. (Goos Roderich: Planung.... Südosteuropa S. 194).
1548 Festlegung der Grenzen zwischen Großau und Neppendorf durch die Nationsuniversität. Dabei wird ein Probstgraben und eine Probstwiese genannt. (Staatsarchiv Urkundensammlung 1548)
Um 1553 Verwüstung der Gemeinde durch Pest und Cholera. (Henning Mich.: "Die Gemeinde Großau in Vergangenheit und Gegenwart"in : "Die Landler"- Hermannstadt 1940- S. 47).
1556 Ein Grenzstreit mit Selischte wegen Gebirgsgelände im oberen Pruttal ist im Gang . Der Knese Coman Comsa aus Selischte klagt, daß die Sachsen von Großau ihnen Berggebiete wegnehmen wollen. 33 Zeugen werden verhört. (Moga "Marginea" 1942 S. 24).
1563 Ein Hattertstreit mit Selischte wegen Gebirgsweiden, der dadurch beigelegt wird, daß durch eine Vereinbarung die Großau die Besitzer und die Selischter die Benützer der Gebirgsweiden bleiben. (Kbl. 1906/37 u. Kbl. 1910/22).
1587-1679 Die Großauer verwenden Wiesen, die auf dem Hattert von Neppendorf liegen und bezahlen dafür "Meddem" in die kirchenkasse von Neppendorf. (Rechnungsbüchlein, Pfarrarchiv Neppendorf).
1588 Vor dem Hermannstädter Magistrat findet ein Rechtsstreit zwischen Neppendorf und Großau statt wegen einer Wiese, die angeblich zum Großauer Pfarrhof gehöre. Es wird das Urteil gefällt, daß die Wiese den Großauern bleiben soll, wenn der Ortsrichter und ein Drittel der Gemeindeglieder von Großau bereit sind einen Eid zu schwören daß die Wiese ihnen gehöre. Ob dieser Eid tatsächlich abgelegt worden ist bleibt unbekannt.
(Akten der Nationsuniversität 1588/1296, Lade 2)
1592 Abhaltung eines Landtages unter Sigismund Batori in der Kirche zu Großau. (Henning S 47).
1599 IX 16 Truppen des Muntenischen Fürsten Michael des Tapferen hängen den Pfarrer Mathias Heintzius in der Sakristei der Kirche von Großau auf. Heintzius war seit 1587 Pfarrer der Gemeinde .(Qu. Kr. XX Bd. V S. 434)
1609 Bürgermeister Gallus Lutsch von Hermannstadt setzt neben die Kandidationsliste des Kapitels einen eigenen Kandidaten für die Pfarrerstelle hinzu. Trotz des Einspruches des Dechanten und der 2 Richter von Hermannstadt, veranlaßt er die Gemeinde diesen Kandidaten zu wählen. (Daniel Klein). Auf die Verhaltungen wegen des eigenmächtigen Vorgehens, beruft sich der Bürgermeister darauf, daß er sich auf Grund seiner Stellung als Bürgermeister so etwas erlauben könne. (Müller G. E. Arch. Bd. 48 S. 343).
1631 VII 8 "den 8 Juli ist die Große Aue im Hermannstädter Stuhl auch abgebrennet". (Kraus Sieb. Chronik 1 S. 109)
1658 IX Ein großes Türkenheer zieht von Hermannstadt nach Weißenburg. Tatarische Truppen kommen nach Großau. Ein rumänischer Bojar von Pfarrer Johann Oltard mit 60 Talern belohnt, bewegt die Tataren zum friedlichen Vorbeimarsch an der Kirchenburg. Ein betrunkener Großauer schießt den Abziehenden nach und tötet gerade den Bojaren. Die Tataren erstürmen nun die Burg. Als sie den festen Kirchturm nicht erobern können, zünden sie Holz und Stroh an und ersticken die Verteidiger. Die ganze Gemeinde wird niedergebrannt. Überlebende, die sich in die Stadt geflüchtet hatten, begraben nach 3 Tagen die Toten. (J.Graffius,"Siebenb. Ruin" in: Kemeny, Fundgruben II S. 153).
1690 IX 21 In der Kirche wird ein Landtag abgehalten, auf dem Emerich Tököly zum Fürsten ausgerufen wird. Generaldechant Lukas Hermann, der spätere Bischof, muß bei der feierlichen Einsetzung Tököly`s mitwirken. Der Landtag wird in der evangelischen Kirche abgehalten. Vor dem Altar der Kirche wird Tököly zum Fürsten ausgerufen. Dafür schenkt Tököly der Kirche von Großau eine Mühle in Gura Riului und zwei Mühlen in Großau. (Teutsch Fr. Kirchengesch. I S. 507; Henning S 48)
1717 7 Menschen sterben an der Pest. (Henning 51).
1721 Es wird berichtet, daß die Sachsen in alten Steinhäuser wohnen, viele von diesen Steinhäusern sind jedoch zerstört. Neben 73 bewohnten Höfen gibt es noch 32 wüste Höfe. Es gibt 2 Gemeindemühlen. Viele Hattertteile, besonders im Gebirge, sind verpachtet. Der Zibin hat zwar viele Fische, macht aber oft durch Überschwemmung Schaden. (Arch. 32/138).
Um 1760 Unter der Herrschaft der Kaiserin Maria Theresia muß ein Teil des Hatterts an Orlat abgetreten werden. (Henning 53).
1785 Aus einem Kommissionsbericht ergibt sich, daß die Bewohner in der rumänischen Nachbargemeinde Poplaka (Gunzendorf) auf Großauer Hattert Ackerländer benützen und dafür einen Nutzungszins bezahlen. Sie haben selbst diese Gebiete gerodet. Ebenso benützen die Bewohner von Poplaka Hutweide, wofür sie auch eine Weidetaxe bezahlen. Von den Großauer Ackerländer geben sie dem evangelischen Pfarrer von Großau den Zehnten.(Müller G.E.:Arch.38/118)
1786 Unter der Herrschaft von Kaiser Josef II muß der Teil des Hatterts "Curäturile" von Großau an Poplaka abgegeben werden. (Kaiserliche Entscheidung . Abschrift im Pfarrarchiv Neppendorf).
1827 Es erfolgt eine Hattertbegehung zwischen dem Gebiet von Neppendorf, Kleinscheuern, Reußdörfchen und Großau. Die Gemeinde Neppendorf hatte am 5. Okt. 1826 darum gebeten, da die Grenzzeichen teilweise unklar geworden waren. ( Gemeindearchiv).
1891 V 8 Die Gemeinde wird durch einen großen Brand heimgesucht. (Halmer Martin; Trostesworte, gedruckte Broschüre).
1898 Es wird ein "evangelisches Gemeindehaus" gebaut. (Henning S. 55).
1899 In diesem Ort entsteht auf Anregung von Pfarrer Josef G. Konnert die erste Molkereigenossenschaft. (Wagner E. Gesch. des S. S. Landwirtschaftsverein S.278)
1899 XI In diesem Ort wird die "Erste Siebenbürger Dampfbutterei- Genossenschaft" gegründet. (Schobel Jos. "Forsch. f. Volks-u. Landeskunde" 02-18-1975 S. 62)
1914 Eine Apotheke wird errichtet (Henning S. 56).
1969 Im Orte wird ein Dorfmuseum eingerichtet.(Hermannst. Zeitung Nr.68 30-04-1969).
Grefen
In Großau sind Grefen nur im 3. Jahrzehnt des 14. Jahrhunderts erwähnt. Gref Nikolaus ist mit einer Tochter des reichen Grefen Nikolaus von Talmesch verheiratet. Er ist ein Sohn des Grefen Hezo. (Ub. I 04-374).
1323 schenkt ihm sein Schwiegervater einen Hof, einen Weingarten und die Hälfte einer Mühle in Großau. Die Talmescher Grefenfamilie hatte demnach auch in Großau Besitz. 1323 sind die Großauer Grefen Salomen und Herbord, Söhne des Gräfen Christian im Zusammenhang mit einem Rechtstreit erwähnt, den sie gegen andere Grefenum die Besitzungen Teufelsdorf bei Schäßburg führen.
(Ub.I. 467-427)
Hattert.
1587-1679: Bewohner von Großau benützen Wiesen, die auf dem Hattert von Neppendorf liegen und zahlen in diesem Zeitabschnitt "Medem" dafür an die Kirche von Neppendorf. Im Pfarrarchiv von Neppendorf war ein Register der Wiesen und der für sie geleistete Zahlungen durch einzelne Bewohner von Großau vorhanden. (Pfarrarchiv Neppendorf).
Zum Hattertgebiet von Großau gehören ausgedehnte, Teile des Zibinsgebirges, darunter auch der Paltinis-Berg-Hohe Rinne. Hier ist die erste Schutzhütte 1892 unter der Oncestispitze in 1450 m Höhe vom Karpatenverein gebaut worden. Der Siebenbürgische Karpatenverein, unter der Leitung von Emil Sigerius hat sich auch um die Aufbringung der Geldmittel für ein Kurhaus bemüht,und hat mit der Gemeinde einen Kontrakt gemacht, demzufolge Großau das hiefür notwendige Gelände für 50 Jahre unentgeltlich überließ und das Bauholz zur Verfügung stellte. Am 1. Juni 1894 konnte das Kurhaus " Hohe Rinne" eröffnet werden, das aus 3 Stockhohen Pavillions bestand, in denen 60-80 Personen wohnen konnten. 1902 wird von Hermannstadt über Räsinari auf der neu angelegten 24 km lange Straße ein von Pferden gezogener Autobus eingesetzt. 1930 wird der Autobusverkehr eingeführt. (Hermannstädter Zeitung Nr. 54 31-01-1969 u. Nr. 90 19-09-1969).
Kirche.
13.Jahrhundert: Bau einer dreischiffigen, romanischen Pfeilerbasilika die dem heiligen Servatius geweiht wird. (Ub. V -2484-130) von dieser Kirche haben sich erhalten: 1. Der untere Teil des romanischen Glockenturms.
2.Der westliche Teil des mit Kreuzgewölbe versehen gewesenen nördlichen Seitenschiffes, von dem die nackten Steinwände und Konsolenreste des einstigen Kreutzgewölbes sichtbar sind. Dieser Seitenschiffsrest bildet heute einen abgeschlossenen Raum nördlich an den Glockenturm anschließend.
3.Ein kleiner Teil der Mauer des westlichen Teiles des südlichen Seitenschiffes. 4. Im Kircheninnern ein Pfeilersatz des ersten Arkadenbogens.(Vatasianu: Istoria artei feudale din Romania I.S. 57; Horwath, Kirchenburgen S. 83).
1444 Die Kirche wird in einem Schreiben des Erzbischofs von Gran ausdrücklich als "Servatiuskirche" bezeichnet. (Ecclesia parochialis beati Sevatii de Insula Christiana"). (Ub. V-2484-130).
Um 1450 :Über dem Chor wird ein Wehrgeschoß errichtet, das später entfernt worden ist. (Niedermayer, Die Woche Nr. 418 19-12-1975).
Um 1480 Vertrag mit Meister Andreas "Lapcida",aus Hermannstadt über den Bau der gotischen Kirche. (Horwath S. 86).
Um 1495: Fertigstellung der Spätgotischen wunderschönen, geräumigen Hallenkirche durch Meister Andreas Lapicida, der dafür 400 Gulden erhält. Er baut eine sehr geräumige dreischiffige Hallenkirche, von der jedes Schiff seinen eigenen Chorraum hat, der poligonal abschließt. Der Meister läßt sich durch den Chorbau von Mühlbach beeinflußen. Die Chorräume der Seitenschiffe werden so gebaut, daß sie sich gegen das Hauptchor öffnen. Dieses ist 15,5m lang und 8,4m breit und schließt gegen das Schiff mit einem spitzbogigen Triumphbogen ab. Das 18,3m lange Hauptschiff besteht aus 4 rechteckigen Gewölbefeldern, denen in den Seitenschiffen 4 quadratische Gewölbefelder entsprechen. Das Hauptschiff wird von einem Netzgewölbe überdeckt, das von 6 hohen achteckigen Pfeilern getragen wird. Die Seitenschiffe erhalten nur provisorische Gewölbe, die erst später durch die heutigen Gewölbekappen ersetzt werden. Die Chorräume bekommen alle einfache Rippen-Kreutzgewölbe, die Rippen werden von kleinen Konsolen gestützt und treffen sich in einfachen Schlußsteinen, Schiffe und Chöre werden durch hohe Spitzbogenfenster erhellt.(Vatasianu I.S. 534; Horwath,85; Roth V. Neuer Volkskalender 1931/2211).
Um 1570: Das nördliche Seitenchor neben der Wendeltreppe wird von dem Hauptchor und dem Seitenschiff durch Wände abgetrennt und zu einer Sakristei umgebaut. Über der Sakristei wird eine Empore. die "Engelempore" eingebaut. (Horwath, Kirchenburgen 186) Über dem Triumphbogen ist die Jahreszahl 1564 vorfindlich, die wohl auf Herstellungsarbeiten hindeutet, so wie auch die Jahreszahl 1884, 1912, 1937 und 1977. Lokalaugenschein 1977.
1725 Es wird an der Kirche gebaut, da für diesen Zweck von den Bewohnern von Gura Riului Holz zugeführt wird.(Arch. 27/48).
1736 Pfarrer Eckhart berichtet, daß die Kirche wie eine "Mördergrube" verwüstet war. Die Kirchenfenster waren alle ohne Glas. Nun habe er sich bemüht die Kirche wiederherzustellen, wobei ihm der Hermannstädter Ratsherr Daniel Klockner, der Inspektor des Ortes war, tatkräftig geholfen haben. Einige Hermannstädter haben für die Wiederherstellung der Fenster größere Summen gespendet. (Henning S.49).
1794-1795 In das Chor werden Emporen eingebaut. Die Aussenwände der Empore sind mit Volksmotiven bemalt und tragen Inschriften und die Jahreszahlen 1794 und 1795. (Lokalaugenschein 1977).
1972 Erdbebenschäden werden behoben und dabei auch eine Reparatur der Kirchenfenster vollzogen. (Lokalaugenschein 1977).
1977 Die Kirche wird neu ausgemalt und bietet nun einen so schönen Anblick dar, wie kaum je zuvor. (Lokalaugenschein 1977).
Altar
Der Altar stammt aus 1719 und ist im Renaissauncestil gebaut. Die Altarbekrönung ist im Rokokostil hergestellt. Das Hauptbild ist von den Holzfiguren der Apostel Petrus und Paulus eingerahmt. Auf der Altarbekrönung ist eine Engelfigur mit Posaune und Palmenzweig. Einige Teile des Altars stammen erst aus dem Ende des 18. Jahrhundert. Der Altar erhebt sich über einen gemauerten Altartisch. (Roth V. Altäre S.209; Lokalaugenschein 1977). Altarkredenz.
Auf der Südseite des Chores finden wir eine Altarkredenz, die mit Eselsrücken und mit 2 Fialen verziert ist, also zu den gotischen Baubestandteilen gehört. (Lokalaugenschein 1977).
Kanzel
Die Kanzel-aus der Zeit um 1750 ist in üppigen Barockstil errichtet worden. Den gemauerten Kanzelkörper trägt eine gemauerte Säule, der von Engelsholzfiguren gekrönte Baldachin weist eine Inschrift aus 1837 auf, die wohl auf eine Reparatur hindeutet. Der Kanzelaufgang ist von schön geschmiedetem Eisengitter begrenzt. (Lokalaugenschein 1977).
Taufbecken.
Ein zylinderförmiges Taufgerät ist mit einem Lesepult vereinigt und weist eine Ornamentik der Zeit um 1800 auf. (Lokalaugenschein 1977).
Orgel.
1675 Johann West baut die Orgel von Großau, die 1752 nach Neppendorf verkauft wird und dort bis 1809 steht. (Dressler, Karpatenrundschau Nr.13 vom 28-03-1975).Möglich ist, daß Teile des alten Orgelprospektes in Großau geblieben sind, da der Hauptorgelprospekt Ähnlichkeit mit dem von Hermannstadt hat, das ebenfalls von Johann West hergestellt worden ist. (Lokalaugenschein 1977).Die heutige Orgel stammt aus 1775 und ist eine reichverzierte Barockorgel, die Orgel hat 20 klingende Register, der Hersteller ist Johann Hann aus Hermannstadt. 1783 hat derselbe mit Hilfe seines Sohnes auch ein Rückpositiv hergestellt, dessen kleines Prospekt als Holzfigur den David mit der Harfe zeigt. (Dressler, Karpatenrundschau Nr.15 II-04-1975 u. Dressler,Hermannst. Zeit. Nr.95 vom 24-10-1989). Aufgrund alter Dokumentation ist 1969 vom Orgelbauer Johann Mesnyi aus Neumarkt (Tirgu Muresch) das Instrument nach der alten Orgel disposition wiederhergestellt worden und das fehlende Pfeifenmaterial ergänzt. Die Orgel erhielt ihren alten Barocken Klang aus 1775. (Lokalaugenschein 1969).
Glockenturm.
13 Jahrhundert: Ein romanischer Glockenturm wird in die Westfront der romanischen Kirche eingebaut. Er wird aus Mauern errichtet, die 2,7m dick sind. Das Turmerdgeschoß besitzt einer quadratischen Grundriß mit 11m Seitenlänge und erhält ein Kreutzgewölbe. Es wird durch große Rundbogen nach allen 4 Seiten geöffnet. Über dem Erdgeschoß wird die Turmempore gebaut mit 2 Rundbogenfenster gegen den Kirchhof. Das Erdgeschoß, die Turmempore und ein Teil des darüberliegenden Geschoßes haben sich von diesem romanischen Turm bis heute erhalten. (Vataschianu I/57; Horwath Kirchenburgen S. 85).
Um 1495: Aus Wehrtechnischen Gründen werden die 4 Rundbögen des Erdgeschoßes zugemauert. Das eine Rundbogenfenster der Turmempore wird zugemauert und das zweite Fenster als Treppenzugang in Verwendung genommen. Außerdem werden auf den romanischen Glockenturm noch zwei weitere Stockwerke aufgebaut und wahrscheinlich der Turm durch einen Wehrgang abgeschloßen .(Vatasianu I/534; Horwath Kirchenb./85).
1658: Tataren erobern die Kirchenburg. Als die Großauer sich in den festen Kirchenturm zurückziehen und sich nicht ergeben wollen, da ersticken die Tataren die Verteidigung in dem Turm durch Stroh und Holzfeuer. (Teutsch I 442
1802: Durch ein Erdbeben wird der Glockenturm stark beschädigt. (Neuer Weg 09-03-1957).
1805: Der durch das Erdbeben beschädigte Kirchenturm wird erhöht und 4 Türmchen daran angebracht. (Neuer Weg 09-03-1957). Diese so spät erbaute Türmchen haben nicht, wie es in andern Orten der Fall ist, eine symbolische Bedeutung die Rechtslage des Ortes betreffend. An andern Orten nämlich deuten die 4 Türmchen an,daß der Ort eigene Gerichtsbefugnisse besaß. Dies ist bei Großau nie der Fall gewesen, daß kein eigenes Judikat hatte.
Glocken.
1506: Aus der Kasse der Hermannstädter Provinz der sieben Stühle werden zur Unterstützung für einen Glockenkauf 8 Gulden bezahlt.("illis de Insula Christiana pro subsido unios campanae fl, 9).(Quellen 1880/434).
1977: sind auf dem Glockenturm eine Glocke aus 1921 und zwei Glocken aus 1922. Lokalaugenschein 1977.
Kirchenburg.
um 1500 Bau der mächtigen Kirchenburg. Zum Schutz der Kirche werden doppelte Mauern errichtet, die ein unregelmäßiges Fünfeck bilden. Zwischen Mauern ist ein etwa nur 3m breiter Zwinger. Die Doppelmauern umschließen eine Fläche von 4500 Quadratmetern. An den Ecken werden 5 viereckige Türme mit Pyramidendächern gebaut, von denen sich 4 erhalten haben. Die Mauern werden mit Schießscharten versehen und gegen den Zibin zu mit Strebepfeiler verstärkt. Entlang der Innenmauern werden Kammern nach innen zu angebracht. (Vatasianu I/582; Horwath Kirchenburgen S. 85; Roth, Deutsche Kunst S.68; Niedermeier P. Die Woche Nr. 418 vom 19-12-1975).
Um 1550: Nördlich vor die Kirchenburg werden zwei Vorhöfe angebaut. Durch eine, einen Zwinger bildende Doppelmauer wird der erste vom zweiten Vorhof abgetrennt. In den ersten Vorhof ist das Pfarrhaus eingebaut worden. Aus der zwischen den beiden Höfen befindlichen Mauer entspringt ein kleines Wachtürmchen mit Schießscharten hervor. (Vatasianu I 582; Horwath S. 86).
Um 1580: Im Süden wird ein hoher acheckiger Turm aus Stein gebaut, der im Innern Bering sich befindet und gegen den äußeren Bering vorstößt. Er wird mit einem auf einen Konsolengürtel ruhenden Wehrgang mit Pechscharten versehen. (Vatasianu I/582).
1658: Tataren erobern die Kirchenburg.(Teutsch, Sachsengesch.I/442).
1731: Ein Teil der Ringmauer wird neu aufgebaut. Daran errinnert ein eingemauerter Stein mit Christus-Kopf und der Inschrift: "Anno 1731 D. 25. April".(Henning S. 49).
Neuere Zeit nach 1750, ohne genauere Bestimmung: Die inneren Mauern im Norden, Osten und Südosten werden abgetragen. Der im Westen über der alten Einfahrt befindliche Turm, wird durch die Fluten des in der Nähe fließenden Zibin zu Fall gebracht. Statt seiner wird im Süden eine andere Einfahrt hergestellt, und eine Burghüterwohnung daneben gebaut. Das Wehrgeschoß des achteckigen Turmes wird abgetragen und ein spitzes Dach unmittelbar auf die Pechgußlöcher aufgesetzt. Der östliche Teil der die beiden Vorhöfe trennenden Mauer wird abgetragen. Der Nordostturm wird stark umgebaut. (Horwath, Kirchenburgen 86; Lokalaugenschein 1977).
1772: An den Kirchenburgmauern wird gearbeitet. Daran errinnert die 1975 entdeckte Inschrift auf der Ostseite der Umfassungsmauern: "Anno 1772 10. Mai. Thomas Zeck villicus, Michael Fleischer". Lokalaugenschein 1977).
1975: An der Kirchenburg werden mächtige Renovierungsarbeiten durchgeführt. (Bericht Pfarrer E. Weingärtner).
Mühlen.
1690, schenkt Fürst Emerich Tököli der evangelischen Kirche die zwei in Großau befindlichen Mühlen, aus Anerkennung, weil er in der Kirche zum Fürsten von Siebenbürgen ausgerufen worden war. Später haben Kirchengemeinde und politische Gemeinde um diese beiden Mühlen miteinander gestritten. Dieser Streit wurde schließlich so geschlichtet, daß die 2 Mühlen im Besitz der politischen Gemeinde bleiben, jedoch diese zur Lehrerbesoldung beitragen sollte. 1721 ist nur eine Mühle erwähnt. (Henning S. 49; Archiv. Bd. 32 S. 138).
Ortsnamen.
1223 wird der Ort Lateinisch "insula Christiana" genannt, was Christeninsel oder Christenau bedeutet. (Ub. 1-38-27). Daneben aber gibt es auch von 1323 angefangen den Namen " insula Christiani" was soviel wie " Aue des Christian" bedeuten würde. (Ub. 1-404-574).
1329 ist ein Graf Christian erwähnt.
1359 kommt der Name insula magna vor, wovon dann der sächsische Name abgeleitet wurde. (Ub.II-760-174). Der Name Christiansau hängt mit dem rumänischen Namen Christian zusammen. Schon 1395 ist urkundlich der ungarische Name "Kerestenyzygeth" feststellbar, der von Christianinsel abgeleitet ist. (Ub. III-1364-153):
1429 heißt der Ort halb ungarisch halb lateinisch "insula Ketesthyer"(Ub.IV-2079-394).
1430 heißt er ungarisch "Criztenzygethe" und 1431 "Kereztyenfalva".(Ub. IV- 2100-421; Ub. IV-2137-453). Der deutsche Name "Großau" taucht das erstemal 1468 auf.(Quellen.....22).
Um 1475 heißt es der "Pfarr von der Hauen" und 1503 " von der Aven".(Qu..378
1599 ist der Ort "zur grossen Au" genannt. (Quellen Kr. V/434). Weiterhin ist auffällig, daß 1383 und 1431 der Ort "Insula maier"genannt wird, also die "größere Au". Dieser Name deutet natürlich darauf hin, daß es auch einen anderen Ort gab, der die "kleinere Au" genannt wurde. Dies wird 1337 durch die Bezeichnung "Maiori insula et minori" völlig klar. (Monumenta Vaticana I/144) Es kann sich um 2 nahe beieinander liegende Orte gehandelt haben die später zusammengeschmolzen sind. Es könnte aber auch unter der Bezeichnung "insula minori" ein anderer Ort gemeint gewesen sein, der der entweder verschwunden ist oder seinen Namen geändert hat. Es könnte vielleicht das um 1319 erwähnte "mons Civinii-Winsberg gewesen sein. Auch am Orlat (und besonders an Gura Riului) könnte man denken. Der lateinische Name "insula Christiani" ist von einem Gräfen abzuleiten, der an dieser Stelle den Ort gegründet hat. (Moga I. Numirile satului Cristian in: Scrieri istorice S. 100).Die Gräfen Salamo und Herbord sind die Söhne dieses Christian dokumentarisch erwähnt. Dieses könnte der Ortsgründer gewesen sein. Die Rumänen nannten den Ort einst "Cirstianu" was von dem deutschen Christian herzuleiten ist. So hat sich in der rumänischen Sprache der älteste Name erhalten. 1787 ist der Name " Cirstianu" dokumentarisch belegt. (Ebenda 106 II.)
Pfarrer.
Der spätere Weißenburger Bischof Goblinus ist 1372 als Großauer Pleban erwähnt. (Ub. II-996-396).
1376 wird er aus der Pfarrstelle von Großau auf den siebenbürgischen Bischofsitz nach Weißenburg berufen. Ein bedeutender Mann.Er stirbt als Bischof 1386.
1376-1384 ist ein gelehrter Mann mit Namen Thomas hier Pfarrer. Der Papst selbst spricht seine Ernennung nach Großau aus. (Ub. II-1052-445).
Er führt den akademischen Titel "Bacalaureus in decretis" und ist gleichzeitlich königlicher Hofkaplan. Er wird auch Dechant des Hermannstädter Kapitels. (Ub. II-1190-590). Er ist auch Mitglied von sächsischen Gesandschaften an den königlichen Hof. So ist er mit dabei als die Sachsen die ungarische Königin 1383 ersuchen den Andreanischen Freibrief aus 1224 zu bestättigen. (Ub.II-1172-569) Als im Dezember 1384 der Erzbischof von Gran in einem Schreiben an das Hermannstädter Kapitel vom Tod dieses Mannes spricht, hebt er hervor, daß er "ein gutes Regiment" geführt habe und er darum seines Todes wegen betrübt sei.(Ub. II-1195-594).
Zwischen 1444 und 1449 ist der Pfarrer Michael von Großau als Dechant des Hermannstädter Kapitels erwähnt. Auch er ist " Baccalaureus in decretis". 1444 wird der "Michael baccalaureus in decretis, rector ecclesiae parochialis beatii Servatii de Insula Christiana" vom Graner Erzbischof als Dechant bestättigt. (Ub.V-2484-130).1449 ist er bei der Beilegung des Hattertstreites zwischen Großau und Orlat zugegen. (Ub.V-2688-283).
1450-1500 In diesem Zeitabschnitt ist der Pfarrer von Großau Hausbesitzer in Hermannstadt. So hat ein Großauer Pfarrer eine "Curia" in Hermannstadt und ein "domus". (Quellen....47). "Johannes de deckenttrytter yn des Pfarrer haws von der Hawin". (Quellen....48). "Hwprig Weber opp des Pharrers von der Hawen seyn Hoff" (Quellen ..76).
1484 wird ein Pfarrer Petrus von Großau erwähnt, der den Titel eines Moldauer Bischofs führt. Er starb 1486. Bei seinem Tod wird erwähnt, daß er im Besitz von bischöflichen Abzeichen und Gewänder gewesen ist. Dieser Peter war selbst ein Großauer und wurde 1471 zum Bischof der Moldau ernannt mit dem Sitz in Baia. Es gelang ihm aber nicht diesen Sitz einzunehmen, da Baia von den Türken zerstört worden war. Ebensowenig gelang es ihm den Bischofssitz nach Cetatea Alba zu versetzen. Als er sich also nicht in der Moldau festsetzen konnte und seinen Dienst als Moldauer Bischof nicht versehen konnte, blieb er Inhaber des Bischoftitels "in Partibus infidelium" und wurde Pfarrer von Waldhütten. 1477 ist er als solcher erwähnt. Gegen Ende seines Lebens wurde dann Bischof Peter zum Pfarrer seiner Heimatgemeinde Großau gewählt. (Teutsch F.A. 40/323; Reinert A. 50/33u.34).
1485 heißt es in der Hermannstädter Stadtrechnung "domus episcopi de Insula".(Qellen..109).
1517 ist Lukas Lulay als Pfarrer von Großau erwähnt, ein Sohn des Hermannstädter Königrichters und Nationsgrafen Johannes Lulay. (Kirchl. Bl. 1918/56; Schullerus Ad.).
1557 Auf einer Generalsynode in Klausenburg unterschreibt eine Bekenntnisformel: "Nikolaus Fabritius, Pastor in Insula Christiana Decanus Cap. Cib."(Arch. 2/251).
1599 Im Herbst 1599 wird Pfarrer Mathias Heintzius von Soldaten des Muntenischen Fürsten Michael der Tapfere im "Rabenloch" gefunden und in der Sakristei der Kirche auf grausamme Weise ermordet. (Henning 47).
1808-1849 ist Martin Arz Pfarrer dieser Gemeinde. Er war ein gelernter und angesehener Mann, der schon 1806 von der Gemeinde Birthälm zum Pfarrer gewählt worden war. Er hätte nun erwarten können daß auch die Synode ihn zum Bischof wählen würde. Diese jedoch zog den älteren D.G.Neugeboren vor. Daraufhin verzichtete er auf die Birthälmer Pfarre. 1825-35 aber bekleidet er das Dechantenamt des Herm. Kapitels. (Kal. des sieb. Volksfreundes 1915/92). Pfarrhaus.
16. Jahrh. Gegen Norden sind vor die innere Kirchenburg 2 Vohöfe angebaut. Im ersten Vorhof steht das Pfarrhaus. Unweit davon ist der Brunnen, der auch bei Belagerungen zur Vorfügung stand. Der erste Vorhof war mit einem engen Zwinger gegen den zweiten Vorhof abgeschlossen. Aus der Mauer zwischen dem ersten und dem zweiten Vorhof springt ein kleines Scharwachtürmchen hervor, daß mit Schießscharten versehen ist. (Pestkanzel genannt).(Horwath S. 86).
Aus dem Mittelalter stammt der Flügel des Pfarrhauses, der sich nach Norden zu ausdehnt. Der Raum ist mit vierteiligen gewölbten Kellern versehen. Lokal. 1977. Um 1800 Der gegen die Kirche zu gelegene einstöckige Hauptbaukörper des Pfarrhauses wird errichtet. Er ist mit dem mittelalterlichen Pfarrhaus verbunden. Westlich daran schließt sich das romantische kleine "Piokesgärtchen", das von alten Befestigungsmauern umgeben ist. Lokalaugenschein 1977.
Prediger.
15.Jahrhundert.Schon damals gab es Prediger in dieser Gemeinde, die sich eines gewißen Ansehens erfreuten und wegen der Größe der Gemeinde sicher auch größere Bildung besassen als sonstige Dorfprediger. Beweis dafür ist der Umstand, daß zwei von ihnen bei Beurkundungen als Zeuge herangezogen wurden und zwar: 1446 "Johannes capellanunus de Insula Christiana" (Ub.V-2531-165) und 1450 "Valentinus Rod de Costro Seges, pridem praadicatore in Insula Christiana".(Ub V.-2706-299).
Um 1750 Neben den Ortspfarrer und neben drei Lehrern gibt es in dem Ort noch zwei Prediger. (Henning S. 55).
Rechtslage.
Der Ort gehört zum Hermannstädter Kapitel und zum Hermannstädter Stuhl. 1349 ist der Ort zum erstenmal als Hermannstädter Kapitelsgemeinde nachgewiesen. (Ub. II- 638-58).
1380 ist der Ort erstmal als Hermannstädter Stuhlsgemeinde erwähnt.(Ub.II-1131-529).Trotz der 4 Türmchen auf dem Glockenturmdach hat die Gemeinde nie eigene Gerichtsbarkeit besessen.
Schule.
1540 Erste Erwähnung eines Schulmeisters. (Arch. 44/484).
Vor 1570 Es wird eine Privatschule in der Gemeinde erwähnt, an der ein gewisser Simon Kuntschius unterrichtet. (Arch. 44/485).
1736 Im Rechnungsbuch berichtet Pfarrer Andreas Eckhart, daß Schul und Predigerhöfe ganz ruiniert...(Henning S. 49).
Um 1750 Angestellte der Gemeinde sind der Ortspfarrer, 2 Prediger, ein Rektor, ein Mädchenlehrer und ein Kantor. Diese drei Lehrer unterrichten in 3 verschiedenen Gebäuden, in denen sie gleichzeitig auch ihre Wohnung haben. (Henning S. 55).
Um 1850 Der Rektor soll sein Amt verlieren weil er das lateinische "Quem pastores laudavere" abschaffen will. (D.F. 1944/223).Die "alte Schule" wird hergerichtet. (Henning S. 55).
1898 Indem der politischen Gemeinde gehörigen "Herrenhaus"wird eine ständige evangelische Kinderbewahranstalt eingerichtet, die bis 1920 hier wirkte.(He.S.56 1905 Bau einer neuen stockhohen ev. Schule. (Henning S. 55).
1913 Kultusminister Jankovich besucht die Schule von Großau. (Teutsch F. Sachsengeschichte IV S. 216).
Viehbrandzeichen
besteht aus einem Kreis, von dem aus nach allen 4 Himmelsrichtungen Pfeile ausgehen. (D.F. 1942/240).
Zünfte.
1578 Der Magistrat von Hermannstadt beschließt, das die Handwerker aus Heltau, Michelsberg und Großau keine Lehrjungen aufnehmen dürfen. Die Kinder dieser Meister dürfen nach dem Tod des Vaters keine weiteren Gesellen halten. (Schuller Libloy Rechtsgesch. I-134).
1580 Der Hermannstädter Magistrat beschließt, daß die Heltauer und Großauer Topfer nur alle zwei Monate zwei Geschirrwägen in die Stadt bringen dürfen. Andere Dorftöpfer dürfen ihre Ware nur in den Dörfern verkaufen. (Schuller Libloy Fridrich :Siebb. Rechtsgesch. I/134).
Zuwanderer.
1731: Schwaben aus dem Banat siedeln sich in Großau an.Nach Magistratsbeschluß werden sie mit Ackerland. Weingärten und Wirtschaften daselbst versehen und drei Jahre von öffentlichen Leistungen freigehalten.
1734 VI Für die Oberösterreichischen Protestanten aus dem Salzkammergut, die nach Siebenbürgen umgesiedelt werden sollen, werden durch die Wiener Regierung, nach längerem Schriftenwechsel mit verschiedenen Amtsstellen, Großau und Neppendorf als Ansiedlungsorte bestimmt. (Hofkriegsratakt 1734 Mai Fol.54).
1734VIII 20 Die ersten oberösterreichischen Emigranten kommen in Großau an, werden jedoch sogleich nach Heltau weitergeleitet. Von diesem ersten Transport wird noch niemand in Großau angesiedelt. Die Ansiedlung erfolgt in Neppendorf. (Ettinger S. 27).
1735 X 93 evangelische Seelen, die 20 Familien bilden, und aus Oberösterreich (Salzkammergut) ihres Glaubens wegen deportiert worden sind kommen in Großau an und werden größtenteils hier angesiedelt. Sie hatten die Reise über Belgrad und durch den Roten Turmpass gemacht. Sie betreten in Talmesch zuerst Siebenbürgischen Boden. Auf Kosten des Hermannstädter Magistrats werden sie 8 Tage lang in Großau verpflegt. Einige von den Neuangekommenen begeben sich zu ihren Verwandten nach Neppendorf und verbleiben dort. Von diesen 93 Seelen, lassen sich als endgültig in Großau angesiedelt 52 Seelen feststellen. Bis 1737 waren von diesen 14 gestorben. Unter den neu Angesiedelten lassen sich die Familien Ramsauer, Kram, Stieger, Reisenauer, Grabner, Beer, Kogler, Lichtnecker, Schaitz und Klackel feststellen. (Mag. Akt. 39 aus 1735; Kirchl. Bl. 1931/94; Mag. Sitz. Prot. 1735/190).
1735 XI: Weitere oberösterreichische Protestanten aus dem Salzkammergut kommen in Großau an und werden hier angesiedelt. Es lassen sich 27 Seelen als endgültig in Großau angesiedelt aktenmäßig feststellen. Unter ihnen lassen sich die Familiennamen: Engel,Grieshober, Riedler, Lichtnecker, Engeleiter, Ziegler, Karmen, Leonbacher und Klamer feststellen.(Mag. Akt. 39/1736;Arch. 24/164). 1736 IV 10 Vom Hermannstädter Magistrat erhalten die Emigranten in Großau 11 Kübel Frucht. (Mag. Sitz. Prot. S. 270).
1736 VII Es werden weitere einzelne ev. Österreicher angesiedelt.(Arch. 24/164). 1736 IX 25: In einem Bericht an das siebb. Generalkommando stellt der Magistrat von Hermannstadt im Hinblick auf die österreichischen Emigranten im allgemeinen fest: "daß nachdem ihnen Hof-Plätze und andere Grundstücke gegeben im hiesigen Stuhl, namentlich in Neppendorf und Großau gegeben werden, sich wohl verbauen und ihre Bauernwirtschaften nach und nach anfangen auch übrigens stille seyn und sich von ihnen unsres Wissens keiner aus dem Lande gezogen haben": (Mag. Akt. %8/1736).
1737 XI In Wildenstein im Salzkammergut wird von einer Religionskommision eine Liste von 97 Seelen zusammengestellt, die demnächst nach Siebenbürgen auf der Donau abtransportiert werden sollen. Sie stammen aus den Pfarren Hallstadt und Goisern (Salzkammergut) Etwa 50 von diesen sind in Großau angesiedelt worden. Darunter sind die Familiennamen: Zähler, Reiter, Wittauer, Eggenreiter, Stögern, Kirschlager, Gimbs, Voglhuber, Kläckhl, Reisenauer, Liebhart, Bliesseiyss, Lichtemberger, Eder und Greinz. (Mag. Akt. 145/1737).
1738 II 4 Der Herm. Mag. erwähnt in seiner Sitzung, daß in Großau 90 Emigranten angekommen sind. Da darunter viele Arme seien wird beschloßen diesen aus dem Städtischen Magazin 20 Kübel Frucht zukommen zu lassen. Es kann als sicher angenommen werden, daß es sich bei diesen Neuankömmlingen um die am 11November 1737 von der Religionskommision in Wildenstein aufgezeichneten Protestanten handelt. (Mag. Sitz. Prot. S. 526).
1752-1756: Etwa 50 oberöstreichische Protestanten siedeln sich in Großau an. Der Matrikel gemäß sind es wieder durchwegs Salzkammergutler. Folgende Familien tauchen in diesen Jahren in dem Matrikel erstmalig auf und sind daher als Zuwanderer dieser Jahre anzusehen: Klaar, Hubert. Huffnagel, Hüttmayer, Graffinger, Samer, Zeier, Wittinger, Ittinger, Heckmann, Kuffleitner, Schuster, Stiever, Nußbäumer, Stallhuber, Roßdorfer, Burgstaller, Wimmer. Schachleitner, Gromer, Kastenhuber, Stüber, Schöberle, Stallmeyer, Felleitner, Hochreiter. (Matrikel von Großau; Nowothny 67; III):
1758-1759 11evang. Familien aus Oberöstreich siedeln sich in Großau an. Von diesen liegt ein Verzeichnis, aus dem siche ergibt, daß etwa 60 Personen in diesen Jahren in Großau angesiedelt wurden. Es werden folgende Familiennamen genannt: Gräffinger, Holtzinger, Hüttinayer, Irdinger, Niedermayer, Obermayer, Schammberger, Stadelhuber, Stürzlinger, Stix. (Kalbrunner Josef: Deutsche Wanderungen nach Siebenbürgen in neuer Zeit S. 679).
Zusammengestellt von Dr. Helmuth Klima .....Januar 1981.
Kirchliche Blätter Nr. 43 28.Okt. 1911.
Der 22. Oktober 1911 war für uns auf die Herzenstöne "Danket dem Herrn,denn er ist freundlich" gestimmt; galt es doch, dem lieben himmlischen Vater zu danken für eine reiche Ernte. Mit Begeisterung stimmte Alt und Jung nach beendigter Festpredikt ein in das von weiland Pfarrer Martin Malmer gedichtete Erntedanklied. Voll klangen die Töne durch die bis auf den letzten Platz gefüllte Kirche. War es doch ein Erntedankfest doppelter Art, wie es die Gemeinde noch kaum jemals gefeiert: Es wandte den Blick nicht nur auf das zu Ende gehende Arbeitsjahr und dessen Ertrag in Feld und Halden, sondern zugleich auch auf das langjährige reichgesegnete Mühen und Schaffen des treuen, allverehrten Seelsorgers Josef Konnerth auf dem Ackerwerk des Gemeindelebens zurück. Was er in 18 1/3 Jahren hier ausgesät, war der Ernte entgegengereift. Und als jener Teil der Predigt anhub, der vom Abschied redete, vom Abschied des "Herrn Vaters" von seinen Kirchenkindern, da perlten Tränen aus den Augen aller. Und was der Tag so erhebend begonnen, sollte der Abend zu feierlichem Abschluß bringen.
Pfarrer Konnerth hat sich seit dem ersten Tage seiner Amtswirksamkeit in Großau zu seiner Gemeinde in das Verhältnis des Vaters zu seinen Kindern gesetzt. Er war uns jener Pfarrer, den nur unsere "sächsische" Kirche kennt, der "wohlachtbarwürdige Herr Vater" und die Frau Pfarrerin "die tugendsame Frau Mutter". Dies ist das Kennzeichen seines Wirkens in der Gemeinde, dies das Verhältnis zwischen Pfarrer und Gemeinde. Und die, die er so oft zu Gaste geladen in sein Haus, mit denen er so oft in menschlichfreier und freundlicher Art verkehrt, die wollte er noch einmal um sich versammelt sehen zu herzlichem Abschied. Alle, alle, ohne Ausnahme waren der freundlichen Einladung gefolgt,--die Presbyter mit ihren Frauen, die Ortsamtsmitglieder, der Frauenvereins- Ausschuß, der Gemeindearzt mit Gattin,die Lehrer und Lehrerinnen, die Vertreter der Eisenbahn und Post und sonstige gute Freunde und Bekannte.Nachdem der freundliche Gastgeber auch an diesem Orte die "Seinen" herzlich begrüßt und seines bevorstehenden Abschiedes gedacht, erhob sich Gemeindenotär Oswald Nemetz und brachten den Abschiedsgruß des politischen Gemeindekörpers. Die am Nachmittag versammelt gewesene Kommunität hatte als Dankeszeichen beschlossen. den freien Platz vor dem Schulgebäude für immerwährende Zeit "Josef Konnerth-Platz" zu nennen und als eine kleine Entschädigung für Pläne und Bauleitung einer dritten Zibinsmauer und des neu gebauten Doktorquartiers gebeten, die in Einmütigkeit gewidmeten 2000 Kronen wohlwollend anzunehmen. Freudig bewegt dankte Pfarrer Konnerth für diese Ehrung und widmete seinerseits in den von ihm begründeten Schulreisefond, der gegenwärtig einen Stand von 4500 Kronen aufweist, noch weitere 1000 Kronen, andere 1000 Kronen widmete er dem Frauenverein mit der Bestimmung, daß die Zinsen zur Friedhofverschönerung verwendet werden sollen, insbesondere zur Instandhaltung der Gräber der Geistlichen.
Nun trat eine Abordnung des Frauenvereins unter der Führung der Frau Kurator Zerwes vor und überreichte ein kleines Andenken. Mit Dankesworten übernahm es die Frau Pfarrerin und widmete ihrerseits 100 Kronen als ein unangreifbares Kapital in die Kasse des Frauenvereins. Die Zinsen dieser Widmung sollen für immerwährende Zeiten als Jahresbeitrag der Frau Pfarrerin Luise Konnerth gelten
Wer also sorgt für die Erweiterung des Gesichtskreises der Jugend einer Gemeinde, wie es Pfarrer Konnerth auch in seinen hochherzigen Widmungen für diese getan, der macht die Schule zu unseres Volkes starker Burg. Wer solche Sorge trägt für die Verschönerung jenes Ortes der Ruhe und des ewigen Friedens, wie sie sich bekundet in der hochherzigen Widmung hierfür, der hat den Frieden der Seele nicht nur gepredigt,sondern auch selber gehabt und andern vermittelt.
Noch manche Abschiedsrede wurde gehalten. Es würde zu weit führen, auf alle einzugehen. Alle klangen sie aus in dem Wunsche, daß es dem Jubilar und seiner lieben Familie in Nähe und Ferne vergönnt sei, noch lange Zeit Ausschau zu halten vom Lebensberge, den er erklommen. Er bleibt der Unsere für und für.
M. Helch.
Kirchliche Blätter Nr. 43 28.Okt. 1911.
Hermann Hientz: Quellen zur Volks-und Heimatkunde der Siebenbürger Sachsen.
Verlag von S. Hirzel in Leipzig 1940
Die ländliche Ortschaft liegt im Mittagsschlaf, nicht einmal die Störche telegrafieren, die sich just auf einem Leitungsmast das Nest gebaut haben. Hermann Spack sitzt im Hof seines Anwesens im Schatten. Er repariert eine Verlängerungsschnur. Rund um den mit Kunststein ausgelegten und von Blumenbeeten gesäumten Hof liegen die Gästezimmer. 16 Betten hat sein kleines Hotel zu bieten - Frühstück inklusive und mit fließend Warmwasser in den Badezimmern. Das war noch vor einigen Jahren in Großau, wo es keine Wasserleitung, keine Kanalisation und keinen Erdgasanschluß gibt, nicht selbstverständlich. Aber der Tourist bekommt die mangelhafte Infrastruktur gar nicht mit. Etwa, daß sein Duschwasser über die Pumpe aus dem Brunnen im Hof kommt. Er hört die Störche auf den Telegrafenmasten klappern und baut in der dörflichen Ruhe den tagsüber in der Stadt angesammelten Streß ab.
Auf halbem Weg in die Nachbargemeinde Orlat befindet sich eine ehemals staatliche Rinderfarm. Sie arbeitet gerade noch zu einem Zehntel ihrer Kapazität. Gut für die Umwelt, sagt das gemeine Volk; schlecht für den Fleischexport, sagen die Wirtschaftsexperten. Ein deutscher Unternehmer will jetzt in den aufgelassenen Ställen eine Möbelfabrik einrichten.
Der eine will, der andere tut's: Unweit des Heimatmuseums, dort, wo einmal die Kollektivwirtschaft war, zwischen dem Mühlenkanal und der I. Gasse, gießt und preßt eine Firma namens Evida Kunststofferzeugnisse. Der Boß heißt Fleischer, er kommt aus Deutschland.
Die Mathias Krauss KG GmbH liegt in der X. Straße. Nach dem Straßennamen wähnt man die Firma am Rande der Ortschaft, aber sie befindet sich in der zentral gelegenen Kirchgasse. In diesem kleinen siebenbürgischen New York benützen die 72 hier lebenden Sachsen noch die alten, "gewachsenen" Straßennamen, obwohl die "amerikanischen" Bezeichnungen, die römischen Zahlen, auch schon bald 100 Jahre im Gebrauch sind. Der Pate der Straßennumerierung - so ist es überliefert - soll ein Amerikaheimkehrer gewesen sein. Zu diesem Thema steht in der Ortschronik des Ernst Martin Weingärtner von 1988, die bei Pfarrer Schlarb aufgeschlagen auf dem Tisch liegt, ein Nebensatz: Es sei 1904 das Doktorhaus eingeweiht worden, in dem Jahr, als die Straßennamen gegen römische Ziffern eingetauscht wurden.
Bei der Straßentaufe scheint man übrigens gar nicht systematisch vorgegangen zu sein, sonst läge die mehrhundertjährige Kirchenburg nicht in der X., sondern in der I. Gasse. Aber im allgemeinen Amerikafieber des anbrechenden Jahrhunderts hat wohl auch keiner den inhaltlichen Wert der althergebrachten Benennungen bedacht, wie Brückengasse (IV), Marktgasse (V), Krautgasse (VIII), Wiesengasse (IX), ganz zu schweigen von der Kletittengasse (III) oder der Harnischgasse (XI). Die Europastraße ist in Großau als XIII. oder Asphaltstraße bekannt.
Wie dem auch sei, Großau ist weit und breit die einzige Ortschaft, welche ihre Straßennamen unverändert von Österreich-Ungarn nach Großrumänien, von König Mihai zu Gheorghiu-Dej und von Ceausescu zu Iliescu und Constantinescu hinübergerettet hat. Weil die Straßenschilder in Großau bald hundert Jahre lang nicht ausgewechselt werden mußten, sieht man sie auch nicht mehr. Sie sind nämlich wieder und wieder übertüncht worden.
Trotzdem ist in dem Ort mit 4.500 Einwohnern und 67 Kleinunternehmen die Firma des Mathias Krauss leicht zu finden, die unter dem Produktnamen "Aquador" Tafelwasser und Fruchtsäfte erzeugt. "Aquador" steht nämlich groß auf einer Feuermauer, außerdem ist das Tor weit offen und im Hof stapeln sich die Kästen mit Tausenden Flaschen. Der heute 40jährige Großauer Mathias Krauss hat Maschinenschlosser gelernt und ist 1989 ausgewandert. Mit Kapital und Kompagnon ist es ihm nach jahrelangem Bemühen gelungen, wieder in der Heimatgemeinde Fuß zu fassen, noch dazu als Tafelwasserproduzent. Er hat sich erst durch die von gleich zwei Tierzuchtfarmen verseuchten Erdschichten hundert Meter tief in die Erde bohren müssen, um auf chemisch einwandfreies Wasser zu stoßen. Das Wasser wird zusätzlich noch gefiltert, mit Anlagen, für die der Filterlieferant aus Buzãu 1992 auf der Industriemesse in Brüssel eine Goldmedaille erhalten hat. Das Kohlendioxyd läßt Krauss aus Ocolisul Mare bei Deva kommen, das ist eines der beiden natürlichen CO-Vorkommen im Lande, die Mineralsalze, mit denen das Wasser versetzt wird, werden aus Deutschland gebracht.
Der erste Abnehmer für "Aquador"-Sprudelwasser war im Juni 1996 das Straßenkinderheim Don Bosco in Großschenk. Inzwischen liefert Krauss ins ganze Land. "In Fogarasch ist die Nachfrage besonders groß", gibt der Geschäftsführer Marius Luca Auskunft, "deshalb werden wir dort eine Filiale einrichten." Der bisherige Produktionsrekord an "Aquador"-Sprudel wurde im Juni 1997 verzeichnet: 450.000 Halbliterflaschen. Mathias Krauss beschäftigt 16 Angestellte, die Schofföre mitgerechnet.
Ein Heimkehrer aus der neuen Welt sorgte zu Jahrhundertanfang in Großau für neue Straßenschilder. Rücksiedler aus Deutschland sorgen neunzig Jahre später für neue Firmenschilder im Dorf. Tatsächlich haben die wenigsten Schilder am Tor, die wenigsten betreiben Werbung. Was sie produzieren oder als Dienstleistungen anbieten, spricht sich herum. Auch Mundfunk ist Werbung. (Wolfgang FUCHS)
Hermannstädter Zeitung Nr. 1583/17. Juli 1998
Übersicht
|
|
© 1998 |
weiter |