Gegen Ende des 19. Jahrhunderts begann die Zahl der Läden zu steigen, vor allem in den Städten. Das schmälerte die Bedeutung der Märkte zunächst jedoch nur unwesentlich. Das unmittelbarere Absatzsystem bewährte sich nach wie vor. Zudem bedeutete Markt nicht nur Kaufen und Verkaufen - Austausch im weitesten Sinne. Häufig verband man die Fahrt zum Markt auch mit dem Gang zum Arzt, zu verschiedenen Ämtern etc.
Nach dem Zweiten Weltkrieg blieb der Markt zumindest den nicht zwangskollektivierten Bauern der Bergregionen als Absatzmöglichkeit für ihre landwirtschaftlichen Produkte erhalten. Jedoch verkaufte nicht jeder alles. Die bereits bekannten "Spezialisierungen" setzten sich zumeist auch unter den veränderten Wirtschaftsbedingungen fort: Rahm, Butter und andere Milchprodukte kaufte man von den Landlern. Nicht zu vergessen die Blumen, die die Neppendorfer Landlerfrauen auf dem Hermannstädter Markt feilboten. Alle Schafsmilchprodukte waren nur bei Rumänen erhältlich. Neben einheimischem Obst und Gemüse wurden zunehmend auch Melonen, Paprika, Pfirsiche u.ä. aus den Gebieten jenseits der Karpaten üblich auf siebenbürgischen Märkten.
Einschneidender hatte sich das Warenangebot bei den handwerklichen Erzeugnissen verschoben. Die Nachfrage nach Handgefertigtem, früher selbst für kleinere Bauern noch ein begehrter Nebenverdienst, nahm im Zuge der fortschreitenden Technisierung schnell ab. Oft verkauften auch nicht mehr die Hersteller selbst ihre Produkte, sondern überließen sie Händlern zum Weiterverkauf (bei Korbwaren u.ä.).
Doch trotz aller Veränderungen waren (und sind auch heute noch!) die sogenannten Löffelzigeuner für die geschnitzten Holzlöffel zuständig. Entsprechend bezog man die Kessel und Siebe von den Kesselzigeunern oder ließ sie von ihnen flicken.
Und der Hermannstädter Markt heute? Aus der Stadtmitte wurde er inzwischen in die Unterstadt verbannt, ans Ufer des Zibinflusses. Täglich ist Markt. Jedoch Dienstag und Freitag sind die besonderen Markttage: Dann bieten mehr Bauern als sonst ihr frisches Obst und Gemüse an, neben den Händlern mit Kurzwaren, Wolle, gewebten Decken, Körben und vielem mehr.