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Marktgeschehen und Handel

Die Landler vor allem Neppendorf versorgt Hermannstadt mit Frischgemüse und Milchprodukten.

Blumenhandel
Oben: "Evtant" (Eva Schaitz geb. Liebhart) auf dem Weg zum Hermannstaedter Blumenmarkt.

Der Markt

Warenumschlagplatz und multikultureller Treffpunkt

Supermärkte, Kaufhäuser, Einkaufszentren sind inzwischen die üblichen "Handelsorte" geworden. Lediglich das frische Obst und Gemüse, direkt vom Bauern, kauft man auch heute noch lieber auf dem Wochenmarkt.
Früher deckte die Bevölkerung den Bedarf an Lebensmitteln und Gebrauchsgütern jedoch kaum in Geschäften. So waren auch in Siebenbürgen die Wochen- und Jahrmärkte lange Zeit die wichtigsten Umschlagplätze, sowohl für alle landwirtschaftlichen wie auch für die meisten handwerklichen Erzeugnisse. Hier konnte man alles erwerben, was man zum Leben brauchte, aber nicht selbst produzierte. Mithin auch die Gelegenheit, um z.B. die aufwendige Aussteuer für die Kinder zusammenzustellen:
Tuche, Kleidung und Accessoires, Pelz- und Lederwaren, Keramik, Korbwaren, Möbel, Haushaltsgeräte wurden feilgeboten, in Form und Muster jeweils abgestimmt auf den Geschmack und die regionalspezifischen Bedürfnisse der Kunden. Dabei konkurrierten sächsische Produkte mit ungarischen und rumänischen.

Als begehrte Handelsware galten auch die Büffel, Ochsen, Kühe, Pferde und Schweine, die auf den zahlreichen Viehmärkten ihre Besitzer wechselten.
Dem Markt kam aber nicht nur wirtschaftliche, sondern in gleichem Maße auch soziale und kulturelle Bedeutung zu: Als vielseitiger Ort der Begegnung führte er Menschen zusammen, die im übrigen regional oder sozial kaum oder keine Berührungspunkte hatten. Hier trafen sich alle Bevölkerungsgruppen und -schichten aus Stadt und Land, arm wie reich. Neben den deutschsprachigen Sachsen und Landlern reisten Ungarn, Rumänen, Roma, Griechen, Armenier, Juden, Türken u.ä. an, sei es nun als Händler oder Kunden. Hier konnten sie vielfältigste Erfahrungen, Informationen und Meinungen austauschen.
Besonders die Jahrmärkte, oft im Zusammenhang mit den Kirchweihfesten der jeweiligen Marktgemeinden, zogen auch Glücksspieler und Bettler, Musikanten, Gaukler und viele andere Schausteller an. Die neuesten Sagen und Märchen, Balladen und Tänze wurden bei diesen Anlässen zum Besten gegeben.
Interkulturelle Kommunikation schlechthin!

Übersicht

Der Markt im Wandel

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts begann die Zahl der Läden zu steigen, vor allem in den Städten. Das schmälerte die Bedeutung der Märkte zunächst jedoch nur unwesentlich. Das unmittelbarere Absatzsystem bewährte sich nach wie vor. Zudem bedeutete Markt nicht nur Kaufen und Verkaufen - Austausch im weitesten Sinne. Häufig verband man die Fahrt zum Markt auch mit dem Gang zum Arzt, zu verschiedenen Ämtern etc.

Nach dem Zweiten Weltkrieg blieb der Markt zumindest den nicht zwangskollektivierten Bauern der Bergregionen als Absatzmöglichkeit für ihre landwirtschaftlichen Produkte erhalten. Jedoch verkaufte nicht jeder alles. Die bereits bekannten "Spezialisierungen" setzten sich zumeist auch unter den veränderten Wirtschaftsbedingungen fort: Rahm, Butter und andere Milchprodukte kaufte man von den Landlern. Nicht zu vergessen die Blumen, die die Neppendorfer Landlerfrauen auf dem Hermannstädter Markt feilboten. Alle Schafsmilchprodukte waren nur bei Rumänen erhältlich. Neben einheimischem Obst und Gemüse wurden zunehmend auch Melonen, Paprika, Pfirsiche u.ä. aus den Gebieten jenseits der Karpaten üblich auf siebenbürgischen Märkten.

Einschneidender hatte sich das Warenangebot bei den handwerklichen Erzeugnissen verschoben. Die Nachfrage nach Handgefertigtem, früher selbst für kleinere Bauern noch ein begehrter Nebenverdienst, nahm im Zuge der fortschreitenden Technisierung schnell ab. Oft verkauften auch nicht mehr die Hersteller selbst ihre Produkte, sondern überließen sie Händlern zum Weiterverkauf (bei Korbwaren u.ä.).

Doch trotz aller Veränderungen waren (und sind auch heute noch!) die sogenannten Löffelzigeuner für die geschnitzten Holzlöffel zuständig. Entsprechend bezog man die Kessel und Siebe von den Kesselzigeunern oder ließ sie von ihnen flicken.

Und der Hermannstädter Markt heute? Aus der Stadtmitte wurde er inzwischen in die Unterstadt verbannt, ans Ufer des Zibinflusses. Täglich ist Markt. Jedoch Dienstag und Freitag sind die besonderen Markttage: Dann bieten mehr Bauern als sonst ihr frisches Obst und Gemüse an, neben den Händlern mit Kurzwaren, Wolle, gewebten Decken, Körben und vielem mehr.


Übersicht

Neppendörfer Milchfrauen.
(links: Sara Schaitz)

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